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Radikale ökologische Kritik im Kontext des biodynamischen Betriebs

Erstellt von Lukas Maschek | 13.12.2022 |   Forschung
Claire-Isabelle Roquebert arbeitet an der Universität Lausanne, wo sie eine historische Analyse der biodynamischen Bewegung in der Schweiz durchführt. Dabei richtet sie ihren Fokus unter anderem auf biodynamische Unternehmen und zeigt, wie sich deren ökologische Organisationsmodelle von rein funktionalistischen Anschauungen unterscheiden. Im Folgenden finden Sie die Zusammenfassung ihrer Dissertation, die im November 2018 verteidigt wurde.

Zusammenfassung
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts hat die Zunahme von Umweltskandalen zu einem Aufschwung von Initiativen im Zusammenhang mit der sozialen Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) geführt. Die Ambitionen der CSR sind in einem kapitalistischen Kontext revolutionär, und selbst die Unternehmen bestätigen: Ihre Verantwortung ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine ökologische (und soziale)! Dennoch bleibt CSR jenseits der Rhetorik sehr oft auf ein Verwaltungswerkzeug beschränkt: Risikomanagement, Kommunikations- und Imagestrategien, Marketingpläne. Die ursprünglichen Ambitionen münden häufig in Nebensächlichkeiten, die die Funktionsweise des Unternehmens nicht verändern: Priorität hat nach wie vor die Anhäufung von Profit, ganz im Sinne der kapitalistischen Logik. Was hält den Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie grundsätzlich davon ab, sich zu stabilisieren? Um diese Frage zu beantworten, wurde untersucht, wie Unternehmen, die sich intensiv für die Natur einsetzen, CSR wahrnehmen und umsetzen. Die Befragten waren Mitarbeiter:innen und Führungskräfte von Côteaux Nantais und Body Nature, zwei französischen KMU, die sich der Biodynamik verschrieben haben. Ausserdem ergänzte eine Dokumentenanalyse die Studie. Aus den Untersuchungen resultierte Folgendes:

Grundsätzlich hängen die Spannungen zwischen Ökonomie und Ökologie mit zwei unterschiedlichen Auffassungen des Verhältnisses von Natur und Mensch zusammen. In den westlichen Ländern wird der Mensch mehrheitlich als von der Natur getrennt und ihr überlegen betrachtet. Aus der Sicht des Unternehmens wird die Natur folglich auf ihre Funktion als «Ressource» reduziert. Das Unternehmen versucht, die Natur zu optimieren, zu verwalten und zu standardisieren (der Mensch wird tendenziell auch als menschliche Ressource betrachtet). Zu diesem Zweck bevorzugt das Unternehmen eine «funktionalistische» Organisation, d.h. eine pyramidenförmige Struktur, die durch industrielle Verfahren optimiert wird und auf ein wirtschaftliches Ziel sowie auf Rufpflege ausgerichtet ist. CSR stellt in diesem Kontext eine Strategie dar, die zwar auf den Schutz und die Pflege der Natur abzielt, allerdings nur, um einen besseren Ruf zu generieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhöhen.

In der Biodynamik – wie auch in anderen ökologischen Bewegungen – gehört der Mensch zur Natur, die ein Ökosystem ist, das lebende Wesen miteinander in Verbindung bringt. Die Natur ist «lebendig» und daher veränderlich. Das Unternehmen muss sich so organisieren, dass es sich an natürliche Schwankungen anpassen und die Einzigartigkeit und Vielfalt der Lebewesen (einschliesslich des Menschen) berücksichtigen kann, die für das ökologische Gleichgewicht notwendig sind. Folglich bevorzugt die ökologische Organisationsform eine vernetzte, nicht hierarchische, sondern evolutive Systemstruktur, in der die Einzigartigkeit der einzelnen Beteiligten das Unternehmen lenkt. CSR ist keine besondere Strategie des Unternehmens, sondern ein Zweck, und die Wirtschaft wird erneut zu einem Werkzeug im Dienst dieses Zwecks. Die «ökologische» Organisation stellt den Wachstumszwang und die Konkurrenzverhältnisse in Frage. Die Studie skizziert die Werkzeuge, die Organisationsformen und die Bedingungen für die Entstehung eines solchen Unternehmens.

Fazit
Die beiden Organisationsmodelle, funktionalistisch und ökologisch, können als zwei Idealtypen betrachtet werden, zwischen denen es eine Vielzahl von hybriden Organisationen gibt, die oft in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen.

Letztendlich ist die ökologische Frage nicht grundsätzlich eine ethische Frage, bei der es darum geht, wie man die Natur besser respektieren kann. Sie ist eine «ontologische» Frage, da sie unsere Definition von Natur und Mensch herausfordert. Der Anthropologe Philippe Descola hat gezeigt, dass die westliche Vorstellung von der Natur weder universell noch die am weitesten verbreitete ist. Laut seiner Forschung ist die gegenwärtige ökologische Krise ein Symptom dafür, dass der Dualismus von Natur und Kultur im Westen in Frage gestellt wird. Die Krise entstehe nicht nur aus der Empörung über Umweltskandale, sondern auch aus der gelebten Erfahrung einer Beziehung zur Natur, in der der Mensch sich selbst als das erkennt, was ihn zum Menschen macht: als ein Wesen der Natur.


Angaben zur Dissertation:
Autorin: Claire-Isabelle Roquebert
Titel: La critique écologique radicale dans le contexte de l'entreprise : l'ambivalence des démarches de RSE dans les entreprises en Biodynamie. 
Publikation: Gestion et management. Université de Nantes; Audencia Group, 2018. Français.
Link (Open Access): https://hal.archives-ouvertes.fr/tel-02002396

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Artikel «La critique écologique radicale dans le contexte de l’entreprise en biodynamie» und entstand mit freundlicher Genehmigung von Martin Quantin, Biodynamie Recherche.

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