Zwar gibt es bereits wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen des biodynamischen Weinbaus, doch sind die Ergebnisse aufgrund ihrer geringen Anzahl noch umstritten. Die veranlasst die Forschenden dazu, weitere Untersuchungen durchzuführen, um mehr Klarheit zu gewinnen und die Daten zu untermauern.
In der hier vorgestellten Studie untersuchten Manuela Brando de Lachapelle und ihr Team des Forschungsbereichs Oenologie der Universität Bordeaux drei Jahre lang die Auswirkungen biodynamischer Praktiken auf die Struktur und Zusammensetzung der Traubenschalen. Warum wurde in diesem Experiment gerade die Untersuchung der Traubenschalen gewählt? Das Gewebe der Traubenschalen enthält den Großteil der für Winzer:innen interessanten aromatischen und phenolischen Verbindungen, da diese zur Farbe, zur aromatischen Komplexität und zur Tanninstruktur des Weins beitragen. Die Traubenschalen wirken zudem als Schutzwall gegen physikalische und biologische Belastungen aus der Umwelt, insbesondere gegen UV-Strahlung und Hitze sowie gegen Krankheiten wie die Graufäule (Botrytis cinerea). Im Laufe des Wachstums und der Reifung der Trauben bauen sich die Schalen ab, bis ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Härte, Elastizität und Porosität erreicht ist. Dieses ermöglicht die Ausdehnung der Beeren und gewährleistet gleichzeitig Schutz vor äußeren Einflüssen. Zudem begünstigt der biodynamische Anbau die Extraktion der phenolischen und aromatischen Verbindungen während der Weinbereitung. Dabei spielen verschiedene molekulare und zelluläre Parameter eine Rolle, die in diesem robusten Versuchsaufbau untersucht werden.
Vorstellung der Studie
Die Studie wurde an den Rebflächen des Château Lafite Rothschild in Pauillac im Südwesten Frankreichs durchgeführt. Die Versuchsfläche (3,5 ha Cabernet-Sauvignon) wurde in acht Blöcke unterteilt, von denen vier mit den biodynamischen Präparaten 500 (Hornmist), 501 (Hornkiesel) und CPP (Maria-Thun-Mistkompost – Cow Pat Pit) behandelt wurden, vier dienten als Kontrollgruppe (AB). Dieses Versuchsdesign wurde über drei Jahre hinweg in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024 durchgeführt (siehe Abb. 1).
Sehr unterschiedliche Jahrgänge
Die Landwirtschaft ist durch eine starke Abhängigkeit von wetterbedingten Schwankungen gekennzeichnet, und die Jahrgänge 2022 bis 2024 wiesen im Vergleich zu den saisonalen Normalwerten erhebliche Abweichungen bei Temperaturen und Niederschlägen auf. In Pauillac war das Jahr 2022 insgesamt warm und trocken, mit guten Erntebedingungen und geringem Krankheitsdruck. Die Jahre 2023 und 2024 verliefen vor allem im Frühjahr durchwachsen, mit starken Temperaturschwankungen und regelmäßigen Regenfällen – ein Umfeld, das die Entwicklung von Rebkrankheiten begünstigte.
Die Beerenentwicklung im Zeichen der Biodynamik
Im Verlauf der drei Jahrgänge wurden die Entwicklungsdynamik, das Beerenvolumen sowie der endgültige Traubenertrag maßgeblich durch den Einsatz biodynamischer Präparate beeinflusst. Ab dem Stadium der Véraison (Beginn der Traubenreife) regulierte die Anwendung der Präparate systematisch das Wachstum und die Ausdehnung der Beeren, was zu leichteren und kleineren Trauben führte (vgl. Abb. 2 und 3). Die Erträge bei der Lese fielen daher etwas geringer aus.
Doch die Forschenden begnügten sich nicht mit diesen Messungen. Es wurden mikroskopische Untersuchungen durchgeführt, um zu verstehen, wie sich das Gewebe der Beerenhäute im Laufe der Reifung strukturiert und entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beerenhäute der Trauben aus den biodynamisch bewirtschafteten Parzellen dickere Zellschichten und breitere Zellwände aufweisen (vgl. Abb. 4).
Um diese Unterschiede in der Struktur der Schalen zu verstehen, verfolgten die Forschenden die Aktivität mehrerer Enzyme, die am Abbau der Schalen beteiligt sind. Die Beobachtungen zeigen, dass bei den biodynamischen Behandlungsmethoden eines der Enzyme, das für die Schrumpfung und den Abbau der Zellwände verantwortlich ist, weniger aktiv ist, was somit zum Zusammenhalt und zur Widerstandsfähigkeit des Gewebes beiträgt. Darüber hinaus sind Moleküle, die an den Abwehrmechanismen der Pflanzen beteiligt sind, wie beispielsweise Polyphenole, in den Schalen der hier biodynamisch angebauten Beeren ebenfalls in größerer Menge vorhanden. Insgesamt scheinen die biodynamischen Präparate einen nachhaltigeren Erhalt der strukturellen Integrität der Trauben während der Reifung zu begünstigen, was nicht ohne Auswirkungen auf die potenzielle Entwicklung von Krankheiten bleibt.
Geringere Anfälligkeit für Graufäule
Die klimatischen Bedingungen während der dreijährigen Versuchsphase waren für die Entwicklung von Graufäule auf den Parzellen nicht günstig. Die Forschenden führten daher in vitro-Tests durch, um die Anfälligkeit der Trauben gegenüber diesem Erreger im Labor zu messen. Dazu wurden 240 intakte Beeren aus jeder Versuchsgruppe in Plastikboxen gelagert und anschließend Bedingungen ausgesetzt, deren Wärme und Feuchtigkeit die Entwicklung von Botrytis cinerea begünstigten. Auch hier sprechen die Ergebnisse für sich. Nach 23 Tagen waren nur 69 % der biodynamisch angebauten Beeren durch die Entwicklung von Graufäule befallen, gegenüber 89 % in der Kontrollgruppe (siehe Abb. 5).
Fazit
Die Ergebnisse dieser Studie untermauern die empirischen Beobachtungen der Winzer:innen, die davon ausgehen, dass biodynamische Präparate die Zellwände der Pflanzen stärken und somit deren Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten verbessern. Die Schalen der Trauben, die mit den Präparaten behandelt wurden, sind dicker, zersetzen sich langsamer und weisen höhere Konzentrationen an Polyphenolen auf – Moleküle, die an den natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen beteiligt sind. Die Trauben sind daher weniger anfällig für Krankheiten wie die Graufäule. Die von den Forschenden aufgestellte Hypothese lautet, dass die biodynamischen Präparate, insbesondere Hornkiesel (501), als Elicitor der Abwehrmechanismen der Pflanzen wirken.
Es ist wichtig anzumerken, dass diese Studie im spezifischen Kontext von Château Lafite Rothschild durchgeführt wurde, wobei die biodynamischen Präparate im Vergleich zu den Demeter-Empfehlungen intensiver eingesetzt wurden. Hornmist (500) und Mistkompost (CPP) wurden zweimal vor Beginn der Vegetationsperiode und anschließend einmal nach der Ernte ausgebracht. Im Sommer erfolgte eine zusätzliche Ausbringung von Hornmist (500). Hornkiesel (501) wurde während der Vegetationsperiode fünfmal und einmal nach der Ernte ausgebracht.
Abschließend betonen die Autor:innen, wie wichtig es ist, die Komplexität der biodynamischen Methode mit einem ganzheitlichen und transdisziplinären Ansatz zu betrachten. Der analytische Ansatz dieses Versuchs erfasst nur einen Teil der in der Natur ablaufenden Phänomene. Es sind noch umfassendere Studien erforderlich, um die Auswirkungen der biodynamischen Landwirtschaft aus einer breiteren Perspektive zu bewerten.
Quelle
Brando de Lachapelle, M., Ishizaki, Y., Lacampagne, S. et al. Effects of biodynamic preparations on grape skin structure and composition. Org. Agr. 16, 44 (2026). https://doi.org/10.1007/s13165-026-00574-4
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