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  1. Sektion für Landwirtschaft
  2. News

Biodynamische Präparate: Biostimulanzien für Boden und Kompost?

Erstellt von Martin Quantin | 30.06.2026 |   Forschung
Eine kürzlich von einem italienischen Team durchgeführte groß angelegte Studie (Piccolo et al., 2026) befasst sich mit den biochemischen und mikrobiologischen Eigenschaften biodynamischer Präparate sowie deren Auswirkungen auf Kompost. Die Autoren – Experten für Humuschemie, Bodenmikrobiologie und Agronomie – versuchen, über eine rein agronomische Interpretation der im Feld beobachteten Effekte hinauszugehen, um die intrinsischen Eigenschaften der Präparate und deren Fähigkeit, die Kompostierungs- und Humifikationsprozesse anzuregen, direkt zu untersuchen.

Frühere Arbeiten haben bereits gezeigt, dass biodynamische Praktiken mit Veränderungen der chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens sowie mit Auswirkungen auf die Kompostierungsprozesse in Verbindung gebracht werden können. Der Ursprung dieser Effekte bleibt jedoch umstritten: Sind sie auf die Gesamtführung des landwirtschaftlichen Systems oder auf die spezifische Wirkung bestimmter Präparate zurückzuführen?

Vor diesem Hintergrund stellen die Autoren folgende Frage: Besitzen biodynamische Präparate eine direkte biostimulierende Wirkung auf die mikrobielle Aktivität im Zusammenhang mit den Kompostierungs- und Humifikationsprozessen?

Vorstellung des Versuchsaufbaus

Die Studie befasst sich mit den wichtigsten Präparaten, die in der biodynamischen Landwirtschaft bei der Kompostierung verwendet werden (502 bis 507), sowie mit den Präparaten 500 (Hornmist) und 500K.

Der experimentelle Ansatz stützt sich auf zwei sich ergänzende Schwerpunkte. Zum einen wurde eine physikalisch-chemische Charakterisierung der Präparate durchgeführt, um deren Zusammensetzung und den Grad ihrer biologischen Umwandlung zu bewerten (Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis, phenolische Verbindungen, antioxidative Aktivität, Struktur der organischen Substanz). Zum anderen wurden biologische Versuche durchgeführt, um die Fähigkeit der biodynamischen Präparate zu messen, das Wachstum von Mikroorganismen zu fördern, die an der Zersetzung organischer Substanz und der Kompostierung beteiligt sind. Konkret wurden drei Kompostarten hergestellt und verglichen: 1) Grünabfallkompost, 2) Mistkompost und 3) eine Mischung aus beiden. Die Hälfte der Komposthaufen erhielt die biodynamischen Präparate, die andere Hälfte nicht (jeweils 3 Wiederholungen pro Mischungsart). Die Mischungen wurden anschließend in 10-Liter-Kunststoffbehältern kompostiert, die in einem Raum bei 25 °C aufbewahrt wurden. Die Haufen wurden alle zwei Tage gewendet, und nach 30, 60 und 120 Tagen wurden Proben entnommen, um mikrobiologische Analysen durchzuführen.

(Bio-)stimulierende Ergebnisse

1. Chemisch differenzierte Präparate

Eines der ersten bemerkenswerten Ergebnisse ist die chemische Heterogenität der biodynamischen Präparate. Jedes weist eine spezifische Signatur auf, die mit seinem Ausgangsmaterial und seiner Herstellungsweise zusammenhängt (Abb. 1).

Das Präparat 500: ein stark verwandeltes Material

Hornmist (500) zeichnet sich durch einen hohen Umwandlungsgrad der organischen Substanz aus. Die Analysen zeigen eine relativ stabilisierte Struktur mit einem hohen Anteil an humifizierten Verbindungen. Er weist zudem einen bemerkenswerten Gehalt an phenolischen Verbindungen auf, verbunden mit einer hohen antioxidativen Aktivität, die somit eine biostimulierende Wirkung auf das Bodenleben und die Pflanzen ausübt. Diese Bioaktivität hängt daher eher mit einer abiotischen Stimulation hormonaler Art (auxinähnlich) zusammen als mit seiner eigentlichen mikrobiologischen Aktivität, die im Vergleich zu den anderen Präparaten gering ist.

Die Präparate 502 bis 507: je nach Pflanze sehr unterschiedliche Profile

Auch die Kompostpräparate zeigen kontrastreiche Eigenschaften.

  • Schafgarbe (502) und Kamille (503) weisen relativ ausgewogene Profile auf, mit mittleren Gehalten an phenolischen Verbindungen und einer mäßigen antioxidativen Aktivität.

  • Brennnessel (504) zeichnet sich durch einen deutlich höheren Gehalt an stickstoffhaltigen Verbindungen und eine potenziell höhere biologische Aktivität aus.

  • Eichenrinde (505) weist hingegen ein eher «strukturierendes» Profil auf, mit widerstandsfähigeren Verbindungen und einem hohen Anteil an komplexen Molekülen.

  • Löwenzahn (506) erscheint als Zwischenpräparat mit eher diffusen Eigenschaften.

  • Baldrian (507) zeichnet sich durch eine besondere biologische Aktivität aus, die in der Literatur häufig mit enzymatischen oder katalytischen Wirkungen im Kompost in Verbindung gebracht wird.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die Präparate 502–507 dem Kompost unterschiedliche «biologische Signaturen» verleihen.

Das Präparat 500K: eine wirksamere Kombination

Das Präparat 500K, das das Präparat 500 mit den sechs Kompostpräparaten kombiniert, nimmt eine Sonderstellung ein.

Die Analysen zeigen, dass es die Eigenschaften des Präparats 500 mit einer erhöhten chemischen Vielfalt verbindet, die auf die pflanzlichen Präparate zurückzuführen ist. Sie zeichnet sich insbesondere durch eine hohe antioxidative Aktivität, einen Reichtum an vielfältigen organischen Verbindungen und eine insgesamt heterogenere Struktur aus.

Nach Ansicht der Autoren könnte diese Kombination erklären, warum das Präparat 500K in bestimmten biologischen Versuchen ausgeprägtere Wirkungen zeigt als das Präparat 500 allein.

2. Auswirkungen auf die mikrobielle Vermehrung im Kompost

Biologische Versuche zeigen, dass mehrere biodynamische Präparate das Wachstum von Mikroorganismen stimulieren können, die an der Zersetzung organischer Substanz beteiligt sind. Diese Wirkung variiert je nach Präparat und den getesteten Mikroorganismenarten (Abb. 2).

Was geschieht in den mit biodynamischen Präparaten behandelten Komposten? Wie verhalten sie sich aus mikrobiologischer Sicht? Die Ergebnisse zeigen, dass die mit biodynamischen Präparaten behandelten Komposte bereits ab dem 30. Tag bei bestimmten Bakterienstämmen eine deutlich höhere biologische Aktivität aufweisen (Abb. 3). Dieser Trend verstärkt sich bei nahezu allen Stämmen deutlich, sobald die Komposte ihre Reife erreicht haben (nach 120 Tagen), im Vergleich zu den unbehandelten Kontrollproben (Abb. 4). Noch deutlichere Unterschiede zeigten sich bei den flüssigen Extrakten (Komposttees), die aus den verschiedenen Komposten gewonnen wurden.

Schlussfolgerung

Diese Studie verdeutlicht die chemische Vielfalt biodynamischer Präparate sowie deren Potenzial, die mikrobielle Aktivität in Kompostierungssystemen zu stimulieren.

Ohne endgültige Rückschlüsse auf ihre Wirkmechanismen im Feld zu ziehen, liefert sie experimentelle Hinweise darauf, dass diese Präparate eine aktive Rolle bei der Steuerung der Humifikationsprozesse und der Umwandlung organischer Substanz spielen.

Folglich zeigt diese Studie, dass die durch natürliche biotechnologische Humifizierung hergestellten biodynamischen Präparate nach Rudolf Steiner (1924) tatsächlich eine beträchtliche Wirkung auf das Bakterienwachstum haben, ebenso wie die mit diesen Präparaten behandelten Komposte, was deren Einsatz im ökologischen und biodynamischen Landbau voll und ganz rechtfertigt.

Link zum Originalartikel: Piccolo, A., Drosos, M. & Cozzolino, V. Microbial proliferation activity of biodynamic preparations and biodynamic compost. Chem. Biol. Technol. Agric.13, 44 (2026). https://doi.org/10.1186/s40538-025-00891-y

Biodynamische Kompostierung @Raphael Garden, Kalifornien.Biodynamische Kompostierung @Raphael Garden, Kalifornien.
Grafische Zusammenfassung
Abb. 1 Gesamtgehalt an phenolischen Verbindungen in den biodynamischen Präparaten (500, 500 K, 502–507), bestimmt nach der Folin-Ciocalteau-Methode und ausgedrückt in mmol Gallussäureäquivalent pro kg−1 Präparat. Die vertikalen Balken stellen die Standardabweichungen vom Mittelwert dar. Unterschiedliche Buchstaben weisen auf signifikante Unterschiede (p < 0,05) zwischen den Präparaten hin.
Abb. 2 Wirkung der biodynamischen Präparate 502 bis 507 auf die mikrobielle Vermehrung (KBE/ml) bestimmter Bakterienarten, die eine aktive Rolle im Kompostierungsprozess spielen.
Abb. 3 Wirkung verschiedener Komposte (Grünabfälle, Mist, Mischkompost) vor und nach der Behandlung mit den biodynamischen Präparaten (BP) 502–507 auf die mikrobielle Vermehrung (KBE·ml−1) bestimmter Bakterienarten (AA = Acetobacter aceti; AP = Aeribacillus pallidus; UT = Ureibacillus terrenus; FF = Frigoribacterium faeni; GT = Geobacillus thermodenitrificans; PA = Pseudomonas aeruginosa; PdA = Pseudonocardia autotrophica; SF = Shinella zoofloeoides) 30 Tage nach der Entnahme des Komposts. Das standardisierte Ausgangsinokulum betrug 10⁴ KBE/ml−1. Die Balken über den Säulen geben die Standardabweichung an.
Abb. 4 Wie in Abbildung 3, jedoch nach 120 Tagen.
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