Welche Rolle spielt der soziale Aspekt in der regenerativen Landwirtschaft? Mit dieser Frage beschäftigen sich Gaspar et al. in einer Studie von 2025. Sie identifizieren fünf Schlüsseldimensionen für Soziales Kapital, die weit über ein rein technisches Anbausystem hinausgehen.
Studienbericht
Worum geht es?
Landwirtschaftliche Forschung konzentriert sich oft auf produktionsbezogene Aspekte wie die Bodengesundheit und den Ertrag. Die vorliegende Studie fokussiert sich jedoch auf die sozialen Faktoren bei der Adoption und Verbreitung regenerativer Praktiken. Es handelt sich um die erste systematische Übersichtsstudie zur Rolle des Sozialkapitals in der regenerativen Landwirtschaft. Grundlage ist eine Literaturauswertung anhand von 43 Studien aus den vergangenen 10 Jahren zum Thema.
Welche Ergebnisse liefert die Studie?
- Sozialkapital ist grundlegend – nicht nur ergänzend – für den Erfolg regenerativer Landwirtschaft.
- Es werden fünf Schlüsseldimensionen identifiziert: Wissensaustausch, Gemeinschaftsbildung, Vertrauen, Partizipation und organisationale Netzwerke. Vertrauen und Beziehungsqualität sind dabei besonders entscheidend.
- Peer-Learning fördert die Adoption und Stabilität regenerativer Praktiken.
- Regenerative Landwirtschaft ist kein rein technisches Anbausystem, sondern ein sozio-ökonomischer Transformationsprozess.
- Es gibt grosse Forschungslücken bei der Quantifizierung von Sozialkapital und bei der Untersuchung von Macht- und Geschlechterverhältnissen
Was ist aus Sicht der Biodynamik besonders spannend?
In der biodynamischen Landwirtschaft sind Netzwerke, die auf Vertrauen, Gemeinschaft und kollektiver Identität aufbauen, zentral. Die Studienresultate bestätigen die Bedeutung dieser Aspekte. Zudem hebt die Studie Peer-Learning und Wissensaustausch als Schlüsselfaktoren hervor – Kernprinzipien biodynamischer Praxis. Nicht zuletzt spiegelt sich auch das biodynamische Verständnis des Hofes als lebendiger Organismus, als Verbindung von ökologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen, in den Studienresultaten wider.
Kommentar
Wo liegen die Grenzen der Studie?
Sowohl «Sozialkapital» als auch «regenerative Landwirtschaft» sind keine scharf definierten Begriffe. Die einzelnen Studien, die Teil dieser Literaturauswertung sind, grenzen diese Begriffe unterschiedlich ab, was bei einer gemeinsamen Betrachtung zu verzerrten Aussagen führen kann. Diese begriffliche Unschärfe macht es ebenfalls schwierig, Sozialkapital quantitativ zu messen um ihren Einfluss abseits von qualitativer Evidenz zu bestätigen.
Die Studie liefert jedoch eine gute Arbeitsgrundlage sowie Fragestellungen für Folgestudien, und stellt klar, dass Sozialkapital absolut grundlegend ist für transformative landwirtschaftliche Systeme – und nicht nur ein «nice to have».
Quellen und weiterführende Links zu diesem Artikel
- Originalstudie:
Bebyka Gaspar, Love-Lyne Moïse, Valdine Versaillot, Françoise Jean Baptiste, Pierre Darry Versaillot. Beyond soil and yields: a systematic review of social capital’s role in regenerative agriculture. Discov Agric3, 240 (2025).
https://doi.org/10.1007/s44279-025-00405-2 - Die Studie fällt unter Creative Commons (Link zur Lizenz) und wurde für diesen Studienbericht zusammengefasst.







