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  1. Sektion für Landwirtschaft

Dynamisierte Hochverdünnungen in der Landwirtschaft: Was wissen wir heute?

Erstellt von Martin Quantin | 02.06.2026 |   Forschung
Auf der Suche nach nachhaltigeren landwirtschaftlichen Methoden untersuchen Landwirt:innn und Forschende Möglichkeiten, die natürliche Gesundheit und Widerstandsfähigkeit von Pflanzen zu stärken, anstatt sich ausschließlich auf Pestizide und Düngemittel zu verlassen. Einer der Ansätze, der zunehmendes Interesse weckt, ist die Anwendung von dynamisierten Hochverdünnungen (DHDs), die auch als landwirtschaftliche Homöopathie oder Agrohomöopathie bezeichnet werden. Auf Grundlage einer Literaturübersicht sowie eines eigenen Gewächshausversuchs mit Erdbeeren untersuchen Leonardo Faedo, ein an der Coventry University (Centre for Agroecology, Water and Resilience) tätiger Forscher im Bereich Agroökologie, und seine Kolleg:innen aus Grossbritannien und Brasilien das Potenzial dynamisierter Hochverdünnungen (DHDs) als Biostimulanzien zur Unterstützung von Pflanzengesundheit, Widerstandsfähigkeit und Produktivität in agroökologischen Anbausystemen.

Was sind dynamisierte Hochverdünnungen? 

DHDs sind Präparate, die durch wiederholte Verdünnung und intensives Schütteln hergestellt werden, ein Prozess, der als Dynamisierung oder Potenzierung bezeichnet wird. Diese Methode stammt aus der Homöopathie, wo ähnliche Präparate seit mehr als zwei Jahrhunderten verwendet werden. 

Im Gegensatz zu konventionellen landwirtschaftlichen Produkten sollen DHDs keine Nährstoffe liefern oder direkt Schädlinge und Krankheiten bekämpfen. Stattdessen wird angenommen, dass sie als Biostimulanzien wirken und die natürlichen Fähigkeiten der Pflanzen zur Anpassung, zum Wachstum und zur Selbstregulation unterstützen. 

Eine andere Sichtweise auf Pflanzengesundheit 

Die meisten landwirtschaftlichen Inputs zielen darauf ab, ein spezifisches Problem zu lösen: eine Krankheit, einen Schädling oder einen Nährstoffmangel. DHDs beruhen auf einer anderen Denkweise. Statt das Problem direkt zu bekämpfen, sollen sie die allgemeine Vitalität und Balance des Organismus unterstützen. 

Dieser Ansatz wird als salutogen bezeichnet, da er sich auf die Entstehung von Gesundheit statt auf die Ursachen von Krankheit konzentriert. Ziel ist es, die Pflanze so zu stärken, dass sie besser mit Umweltstress, Krankheitserregern und wechselnden Wachstumsbedingungen umgehen kann. 

Diese Denkweise ist vielen biodynamisch arbeitenden Landwirt:innen vertraut. Auch die Biodynamik betrachtet den Hof als lebendigen Organismus und zielt darauf ab, natürliche Selbstregulationsprozesse zu fördern, anstatt von aussen einzugreifen. 

Was zeigt die Forschung? 

Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch begrenzt ist, berichten mehrere Studien über vielversprechende Ergebnisse. 

Beobachtet wurden unter anderem: verbesserte Keimung, stärkeres Sämlingswachstum, erhöhte Photosyntheseaktivität, verbessertes Wurzel- und Sprosswachstum, bessere Erholung nach Rückschnitt, Aktivierung pflanzlicher Abwehrmechanismen sowie in einigen Feldversuchen eine Verringerung von Krankheitsbefall. 

Studien an Bohnen, Erbsen, Brokkoli, Reis und Yerba Mate zeigen Wachstums- oder Resilienzzuwächse nach Behandlung mit bestimmten DHD-Präparaten. Weitere Experimente berichten über eine erhöhte Produktion von Enzymen und Verbindungen, die an pflanzlichen Abwehrreaktionen beteiligt sind. 

Ein praktischer Vorteil ist, dass DHDs in sehr geringen Mengen angewendet werden und praktisch keine chemischen Rückstände hinterlassen, wodurch sie mit biologischen und biodynamischen Anbausystemen kompatibel sind. 

Warum sind DHDs umstritten? 

Trotz dieser Ergebnisse sind DHDs innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft stark umstritten. 

Die zentrale Herausforderung liegt darin, dass viele Präparate so stark verdünnt werden, dass nach konventionell-chemischem Verständnis keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr vorhanden sein dürften. Daher ist schwer zu erklären, wie solche Lösungen biologische Wirkungen entfalten könnten. 

Kritiker:innen führen dies häufig auf Zufall, experimentelle Verzerrungen oder Placeboeffekte zurück. Befürworter:innen weisen jedoch darauf hin, dass auch in Pflanzen- und Tierversuchen Effekte beobachtet wurden, bei denen Placebo-Erklärungen weniger plausibel sind. 

Die Debatte konzentriert sich daher weniger auf die Frage, ob Effekte existieren, sondern vielmehr darauf, wie sie zustande kommen könnten. 

Mögliche Erklärungsansätze 

Mehrere Hypothesen wurden vorgeschlagen. Einige Forschende vermuten, dass der Dynamisierungsprozess Nanostrukturen oder nanoskalige Partikel erzeugen könnte, die Eigenschaften der Ausgangssubstanz bewahren. Andere gehen davon aus, dass Wasser strukturelle oder elektromagnetische Informationen speichern und übertragen kann, die während der Herstellung entstehen. 

Studien mit Spektroskopie, Kristallographie und biophysikalischen Methoden berichten über messbare Unterschiede zwischen verschiedenen Hochverdünnungen. Zudem werden Konzepte aus Systemtheorie, Komplexitätsforschung und Quantenbiologie herangezogen, um mögliche Reaktionen lebender Systeme auf sehr subtile Signale zu erklären. 

Bisher hat jedoch kein einzelnes Erklärungsmodell breite wissenschaftliche Akzeptanz gefunden. 

Erdbeer-Experiment 

Die Literaturübersicht wurde durch einen doppelblinden Gewächshausversuch in Brasilien ergänzt, der 2019 durchgeführt und 2021 wiederholt wurde. Untersucht wurden Erdbeerpflanzen (Fragaria × ananassa). Die Forschenden testeten mehrere mineralische DHDs, darunter Sulphur, Phosphorus, Kali carbonicum, Calcarea carbonica und Silicea terra, jeweils in der Potenz 12CH. 

In beiden Versuchen waren Behandlungen mit Sulphur, Phosphorus und Kali carbonicum mit erhöhtem Pflanzenwachstum, höheren Erträgen und einer geringeren Häufigkeit von Blattfleckenkrankheit verbunden, während Silicea terra und Calcarea carbonica die Wurzelentwicklung förderten. Obwohl die Autor:innen betonen, dass weitere Feldstudien notwendig sind, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass DHDs im untersuchten Versuchsrahmen ein vielversprechender Ansatz für die agroökologische Erdbeerproduktion sein könnten. 

Referenz 

  • Originalstudie: Faedo, L., Matias, C., Verdi, R., Wright, J., Rayns, F., Kretzschmar, A., & Boff, P. (2024). The use of mineral dynamised high dilutions for natural plant biostimulation; effects on plant growth, crop production, fruit quality, pest and disease incidence in agroecological strawberry cultivation. Biological Agriculture & Horticulture, 40(4), 267–287. https://doi.org/10.1080/01448765.2024.2396894.

  • Die Studie unterliegt der Creative-Commons-Lizenz CC-BY (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) und wurde für diesen Studienbericht zusammengefasst. 

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Sektion für Landwirtschaft

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