Indien ist nach China der zweitgrößte Teeerzeuger. Das Land produziert jährlich mehr als 1,4 Millionen Tonnen Tee, was etwa 20 % bis 25 % der weltweiten Produktion ausmacht. Im Gegensatz zu anderen großen Erzeugerländern verbraucht Indien jedoch den größten Teil seiner eigenen Ernte. Etwa 70 % bis 80 % des in Indien produzierten Tees werden im Land selbst getrunken, insbesondere in Form des sehr beliebten Chai (gesüßter schwarzer Tee, aufgegossen mit Milch und Gewürzen). Die renommiertesten Teesorten stammen aus den Regionen Darjeeling, Assam und Nilgiris.
In Indien hat sich seit den 1990er-Jahren auch der biodynamische Landbau massiv verbreitet und zählt heute landesweit mehr als 100’000 Erzeuger:innen. Kerala nimmt eine wegweisende und strategisch wichtige Rolle beim ökologischen Wandel der indischen Landwirtschaft ein. Dieser tropische Bundesstaat im Süden des Landes zeichnet sich durch einen starken politischen Willen und eine einzigartige Spezialisierung auf hochwertige Kulturen aus, wobei die Entwicklung der biodynamischen Landwirtschaft Teil einer Regierungsstrategie ist, die auf eine vollständige Umstellung auf Bio abzielt. Eine Herausforderung, die noch lange nicht gemeistert ist.
In diesem Bundesstaat hat die Stiftung für Teeforschung (UPASI Tea Research Foundation) seit 2002 ein Langzeitversuch durchgeführt, um konventionelle, biologische und biodynamische Anbaumethoden zu vergleichen. Die Ergebnisse nach 20 Jahren Forschung wurden gerade veröffentlicht und bestätigen die bereits vorliegenden Daten zu den Vorteilen der biodynamischen Landwirtschaft für das Mikrobiom, die Bodengesundheit und die Erträge.
Ein Langzeitversuch
Der Versuch wurde 2002 auf einer Teeplantage in den High Ranges des Distrikts Idukki in Kerala in 1’452 Metern Höhe angelegt. Es wurden drei Anbausysteme verglichen: konventionell, biologisch und biodynamisch. Jede Anbaumethode wurde auf einer Parzelle mit etwa 500 Teepflanzen angewendet, ohne Wiederholungen.
Die konventionelle Anbaumethode umfasste Düngemittel, Blattdünger mit Mikronährstoffen sowie die von der UPASI empfohlenen Pestizide, Fungizide und Herbizide. Das biologische System basierte auf organischen Düngemitteln, insbesondere 10 Tonnen Kompost pro Hektar, sowie auf verschiedenen im ökologischen Landbau zugelassenen Mitteln zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten. Das biodynamische System erhielt ebenfalls 10 Tonnen Kompost pro Hektar, ergänzt durch die biodynamischen Präparate BD 500, BD 501 und den Mistkompost (CPP), die gemäß den Empfehlungen der Biodynamischen Vereinigung in Indien (BDAI) und in Übereinstimmung mit dem biodynamischen Kalender ausgebracht wurden. Die Unkrautbekämpfung erfolgte auf den biologischen und biodynamischen Parzellen manuell.
Die Forschenden untersuchten drei große Kategorien von Parametern. Die Bodenfruchtbarkeit und die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Bodens wurden vor Beginn des Versuchs und dann nach zwanzig Jahren anhand von Parametern wie pH-Wert, organischer Substanz, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium bewertet. Die mikrobiellen Gemeinschaften im Boden wurden von 2002 bis 2022 jährlich überwacht. Schließlich wurde der Ertrag anhand der pro Hektar produzierten Teemenge bewertet.
Unterschiedliche Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Mikrobiom
Nach zwanzig Jahren hatten die drei Anbausysteme mehrere Parameter der Bodenfruchtbarkeit verbessert, wobei es jedoch je nach Parameter Unterschiede gab. Insbesondere die organische Substanz hatte zugenommen ebenso wie mehrere Mineralstoffe. Das biologische System wies die höchsten Gehalte an organischer Substanz, Kalium und Kalzium auf, während sich das biodynamische System durch den höchsten Magnesiumgehalt auszeichnete.
Auch hinsichtlich des mikrobiellen Lebens im Boden waren deutliche Unterschiede festzustellen. Während das biologische System zu Beginn des Versuchs oft die größten Populationen aufwies, gewann das biodynamische System bei mehreren mikrobiellen Gruppen nach und nach die Oberhand. Im Jahr 2022 wies es insbesondere die größte Gesamtbakterienpopulation auf. Die Forschenden stellen somit fest, dass das biologische und das biodynamische System im Vergleich zum konventionellen System insgesamt nützliche Mikroorganismen begünstigen, wobei die Auswirkungen bei bestimmten Gruppen im biodynamischen System besonders nachhaltig sind.
Ein gutes Ertragsgleichgewicht für die biodynamische Landwirtschaft
Über alle Erntezyklen im Zeitraum von 2002 bis 2022 hinweg erzielte das konventionelle System mit 50.746 kg verarbeitetem Tee pro Hektar den höchsten kumulierten Ertrag. Das biodynamische System erreicht 45.062 kg/ha, das sind 18,83 % mehr als das biologische System, das mit 37.922 kg/ha den letzten Platz belegt. Die Unterschiede zwischen den drei Systemen sind statistisch signifikant.
Die Forschenden erklären die geringere Produktivität des biologischen und des biodynamischen Anbaus insbesondere durch einen stärkeren Unkrautdruck sowie durch eine als langsamer eingeschätzte Nährstofffreisetzung und ein höheres Auftreten bestimmter Schädlinge und Krankheiten. Im Gegensatz dazu liefern die im konventionellen Anbausystem eingesetzten synthetischen Düngemittel schnell verfügbare Nährstoffe, was das vegetative Wachstum und den Ertrag fördert.
Nach zwanzig Jahren Beobachtung erweist sich der biodynamische Anbau als ein ausgewogenes System, das Erträge in ähnlicher Höhe wie das konventionelle System erzielt und gleichzeitig die Bodengesundheit und die langfristige Nachhaltigkeit fördert. Die im Vergleich zum konventionellen Anbau geringeren Erträge werden durch den wirtschaftlichen Mehrwert hochwertigerer Produkte, die den Erwartungen der Verbraucher:innen entsprechen, weitgehend ausgeglichen.
Quellen:
Link zum wissenschaftlichen Originalartikel der Studie: https://updatepublishing.com/journal/index.php/JPC/article/view/10081
Biodynamischer Landbau auf dem Vormarsch in Indien: https://www.dw.com/en/can-biodynamic-farming-solve-indias-agricultural-woes/a-41498853
UPASI Tea Research Foundation https://www.upasitearesearch.org/

