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  1. Sektion für Landwirtschaft
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Lebendige Gemeinschaften

Erstellt von Eduardo Rincón | 03.03.2026 |   LWT-26
Rückblick auf die Landwirtschaftliche Tagung vom 4. bis 7. Februar 2026

Unter dem Leitgedanken «You Never Farm Alone» fand vom 4. bis 7. Februar 2026 die diesjährige Landwirtschaftliche Tagung statt. Rund 750 engagierte Teilnehmende aus 46 Ländern kamen im Goetheanum zusammen. Weitere 700 Interessierte verfolgten die Veranstaltung als Livestream auf Goetheanum.tv. Im Mittelpunkt standen drei Themenbereiche: Der Hof als Grundlage lebendiger Gemeinschaften, der Hof als Entwicklungsort menschlicher Individualität sowie Forschungs- und Wissensgemeinschaften.

Der Hof als Herz einer lebendigen Gemeinschaft – soziale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung stärken

Im Zentrum stand die Frage: Wie kann ein Bauernhof zum lebendigen Mittelpunkt einer erneuerten, bewussten Gemeinschaft werden? Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass Landwirtschaft weit über die Erzeugung von Nahrungsmitteln hinausgeht. Sie bildet eine tragende Grundlage für Gemeinschaftsbildung, kulturelles Leben und wirtschaftliche Erneuerung.

Beispiele wie die Krumhuk Farm in Namibia oder Vilicus Farms in den USA zeigten eindrucksvoll, wie landwirtschaftliche Initiativen unter ganz unterschiedlichen Bedingungen ihr soziales Gefüge stärken und weiterentwickeln. Zugleich wurde klar: In der heutigen Zeit kann echte Zusammenarbeit nur aus freier Entscheidung entstehen. Bewusste Kooperation ist das Fundament unserer Arbeit – und der Boden, auf dem lebendige Gemeinschaften wachsen können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der wirtschaftlichen Gestaltung des Hofes. In einer Podiumsdiskussion wurden verschiedene ökonomische Ansätze vorgestellt, die die Vielfalt und Innovationskraft biodynamischen Wirtschaftens sichtbar machten. Vertreter:innen grosser Kooperationsmodelle mit zahlreichen Mitgliedern – etwa EcorNaturaSì in Italien und Odin in den Niederlanden – standen neben kleineren Initiativen, wie der französischen Initiative von Olivier Clisson. Diese unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichten, wie wirtschaftliches Leben auf vielfältige und kreative Weise gestaltet werden kann.

Mensch sein – der Hof als Möglichkeit der Persönlichkeitsbildung

Ein weiteres zentrales Thema war die Frage, wie das Leben auf dem Bauernhof Freiheit, Weisheit und menschliche Entwicklung fördern kann. Der Hof wird als Ort verstanden, an dem Persönlichkeitsbildung in unmittelbarer Verbindung mit praktischer Tätigkeit geschieht.

Ein interdisziplinär besetztes Podium stellte konkrete Beispiele vor, in denen Heilpädagogik, Bildung, Landwirtschaft und soziale Arbeit miteinander verbunden sind. Die biodynamische Bewegung steht vor der Aufgabe, Lernen, Arbeiten und gesellschaftliches Leben neu zu denken – verwurzelt in einer lebendigen Beziehung zur Erde.

Im vorgestellten Modell des Hofs Pente wird der Hof zu einer «Universität», einem gemeinsamen Lern- und Lebensort, an dem Kinder und Erwachsene zusammenwirken, das Land pflegen und durch praktische Erfahrung lernen. Hier verbinden sich CSA-Landwirtschaft, Schule und Kindergarten zu einem sozialen Organismus, der Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und soziale Kompetenz fördert. Das Projekt zeigt, wie Bildung durch konkrete Tätigkeit Sinn erhält und ökologische Verantwortung im Alltag verankert wird.

Lebendige Forschungs- und Wissensgemeinschaften

Bereits die letzte internationale Forschungskonferenz zur biodynamischen Landwirtschaft machte deutlich, wie stark sich Forschungsnetzwerke und Formen des Wissensaustauschs weiterentwickeln. Als weltweite Praxisgemeinschaft sind wir aufgerufen, unsere Wege des Erkennens, Anbauens und Forschens im Einklang mit der lebendigen Mitwelt neu zu gestalten.

Landwirtschaftliche Betriebe können sich an Forschungsprojekten und frei gewählten Kooperationen beteiligen, die die Zukunft der biodynamischen Landwirtschaft mitprägen. Der Hof selbst wird dabei zum Erfahrungs- und Forschungsraum.

Rudolf Steiners Michaelbrief, ein kurzer Text über das Wirken des Wesens Michael in unserer Zeit, begleitete die Tagung inhaltlich und gab Orientierung. Jeden Morgen wurde der Brief von jeweils zwei Mitgliedern der biodynamischen Bewegung – Landwirt:innen, Projektleitenden, Lehrenden oder Studierenden – gemeinsam betrachtet. Die Gespräche waren gehaltvoll, differenziert und praxisnah und brachten Stimmen aus unterschiedlichen Regionen und kulturellen Kontexten zusammen.

Ausblick

Am Ende der Konferenz stand die Einsicht, dass «You Never Farm Alone» sowohl eine Bestätigung als auch eine offene Forschungsfrage ist. Sie verweist auf die Zusammenarbeit zwischen Menschen, mit der Natur und – im anthroposophischen Verständnis – auch mit der geistigen Dimension unseres Wirkens. Die gemeinsam entwickelte Forschungsfrage wurde mit grosser Offenheit und Zuversicht aufgenommen. Sie ist ein Impuls, der über die Konferenz hinaus weiterwirken und die verbundenen Gemeinschaften stärken kann.

Die nächste Landwirtschaftliche Tagung findet vom 3. bis 6. Februar 2027 statt. Ihr Thema lautet: Mit der Intelligenz des Lebens arbeiten. Biodynamische Landwirtschaft bringt Mikro- und Makrokosmos zusammen. Die Grundlage dazu bildet Rudolf Steiners Michaelbrief «Die Zukunft der Menschheit und das Wirken Michaels» in Anthroposophische Leitsätze (GA 26).

Jahresthema 2026/27

Bildergalerie zur Landwirtschaftlichen Tagung 2026

Bei Verwendung der Fotos bitte die Fotografin «Xue Li, Goetheanum» erwähnen.

 

Fotos: Xue Li, Goetheanum
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