Mit der neuen dritten Staffel unseres Podcasts Living Farms widmen wir uns der ganzheitlichen Agrarökologie und laden Gäste sowohl aus der Biodynamik und als auch anderen ganzheitlichen Landwirtschaftsmethoden ein. In einer Zeit, in der landwirtschaftliche Systeme weltweit unter enormem Druck stehen, möchten wir den Blick weiten – über einzelne Methoden hinaus hin zu einem gemeinsamen Verständnis von Landwirtschaft als lebendigem, nachhaltigem Prozess.
Warum ganzheitliche Agrarökologie?
Als Vertreter:innen der biodynamischen Landwirtschaft erleben wir immer deutlicher, wie wichtig der Austausch mit anderen ganzheitlichen Ansätzen geworden ist. Bewegungen wie regenerative Landwirtschaft, ökologischer Landbau, Permakultur und syntropische Landwirtschaft mögen sich in Sprache, Praxis und philosophischem Hintergrund unterscheiden – doch sie teilen grundlegende Ziele.
Im Kern geht es uns allen um die Wiederherstellung lebendiger Böden, um Biodiversität, Resilienz und um eine Form der Lebensmittelproduktion, die natürliche Kreisläufe achtet und stärkt. Angesichts einer global dominierenden Landwirtschaft, die oft von extraktiven, chemieintensiven und reduktionistischen Denkweisen geprägt ist, sehen wir in diesen gemeinsamen Anliegen eine kraftvolle Grundlage für Zusammenarbeit.
Diese neue Living-Farms-Staffel versteht sich als Einladung zum Dialog. Wir möchten Brücken bauen zwischen verschiedenen Perspektiven und Praktiken – nicht, um Unterschiede aufzulösen, sondern um sie fruchtbar zu machen. Denn gerade im Austausch entsteht Innovation: durch gemeinsame Forschung, praktische Versuche, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine stärkere gemeinsame Stimme für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
Letztlich geht es um mehr als Methoden. Es geht um die Transformation unseres Ernährungssystems – und um die Frage, wie wir als Gesellschaft in eine regenerierende Beziehung mit der Erde treten können.
Syntropische Landwirtschaft – im Einklang mit der Natur
Den Auftakt der Staffel bildet ein tiefgehender Einblick in die syntropische Landwirtschaft – ein Ansatz, der exemplarisch zeigt, wie Landwirtschaft als regenerativer Prozess gestaltet werden kann. Syntropische Landwirtschaft versteht sich nicht primär als Produktionssystem, sondern als aktive Mitgestaltung von Ökosystemen. Ihr Ziel ist es, degradierte Landschaften zu regenerieren und gleichzeitig produktive, vielfältige und stabile Systeme zu schaffen.
Ein zentrales Prinzip ist das Verständnis natürlicher Sukzession – also der natürlichen Entwicklung von Ökosystemen. In syntropischen Systemen werden diese Prozesse gezielt unterstützt und beschleunigt. Durch die Kombination verschiedener Pflanzenarten in mehreren Schichten entstehen komplexe Agroforstsysteme, die sich an natürlichen Wäldern orientieren. Sie nutzen Licht, Raum und Nährstoffe effizient und entwickeln mit der Zeit eine zunehmende Fruchtbarkeit.
Ein weiterer Schlüssel liegt im Umgang mit Biomasse. Durch gezielten Rückschnitt und das Belassen organischen Materials im System wird der Boden kontinuierlich aufgebaut. Statt Ressourcen zu entziehen, entstehen Kreisläufe, die sich selbst nähren und langfristig an Produktivität gewinnen.
Besonders spannend ist auch die Rolle von Heilpflanzen. In syntropischen Systemen übernehmen sie wichtige Funktionen: Sie fördern das Bodenleben, stabilisieren ökologische Prozesse und tragen zur Regeneration geschädigter Flächen bei. Pflanzen werden so nicht nur als Ertragsfaktor gesehen, sondern als aktive Mitgestalter eines lebendigen Systems.
Über die praktischen Methoden hinaus steht hinter der syntropischen Landwirtschaft eine Haltung: geprägt von Beobachtung, Kooperation und tiefem Respekt gegenüber natürlichen Prozessen. Es geht weniger um Kontrolle als um ein bewusstes Mitwirken – mit dem Ziel, sogenannte «Systeme des Überflusses» zu schaffen, in denen Wachstum und Regeneration Hand in Hand gehen.
Erste Folge der neuen Staffel mit Natalia Muguet
In der ersten Folge sprechen wir mit der brasilianischen Agronomin Natalia Muguet, die an der Schnittstelle von Ökologie und tropischer Agroforstwirtschaft arbeitet. Sie nimmt uns mit auf ihren persönlichen Weg – von einer konventionellen, stark auf Ertrag und Kontrolle ausgerichteten Landwirtschaft hin zu einem regenerativen Ansatz, der auf Beobachtung, Vielfalt und Zusammenarbeit mit der Natur basiert.
Gemeinsam tauchen wir in die Prinzipien der syntropischen Landwirtschaft ein: mehrschichtige Pflanzsysteme, die natürliche Wälder nachahmen, gezieltes Biomasse-Management, Förderung von Bodenfruchtbarkeit und der Aufbau resilienter Ökosysteme. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle von Heilpflanzen – sowohl für ökologische Prozesse als auch für die menschliche Gesundheit.
Das Gespräch öffnet nicht nur einen praktischen Zugang, sondern vermittelt auch eine tiefere Perspektive auf Landwirtschaft als kulturelle und ökologische Praxis. Es lädt dazu ein, bestehende Paradigmen zu hinterfragen und neue Wege zu denken – weg von Ausbeutung, hin zu Regeneration und Fülle.
Onlinesitzung zum Austausch über die Podcast-Folge zur syntropischen Landwirtschaft
Wir möchten unseren Podcast mit Ihnen und Ihrer landwirtschaftlichen Erfahrung verknüpfen! In einer Austauschsitzung am 11. Mai 2026 um 13:30 Uhr (MEZ) werden wir gemeinsam erkunden, wie und wo der syntropische Ansatz für den biodynamischen Heilpflanzenanbau relevant sein kann.
Vernetzen Sie sich gerne bereits im Vorfeld über die neue Plattform «Biodynamic Network», um Ideen auszutauschen und passende Lektüre zu teilen! Bitte posten Sie dort auch Ihre Fragen und/oder Herausforderungen in diesem Bereich, damit wir dringende Themen gezielt aufgreifen können.
Biodynamic Network: https://community.sektion-landwirtschaft.org/index.php?r=user%2Fregistration%2Fby-link&token=haf7ZB0p17ghqx&spaceId=16
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