Landwirtschaftliche Tagung 2013

Allianzen für unsere Erde

 

Allianzen für unsere Erde

Programm-Flyer als PDF

Tagungsdokumentation als PDF

Natürliche Lebenskräfte und soziale Lebensräume werden im Schattenwurf der globalisierten Zivilisation immer mehr attackiert. Als biodynamische Bewegung versuchen wir aus existenziellem Engagement mit unseren Höfen, dem Saatgut, den freien Ausbildungen und den Produkten das Leben zu schützen und zu fördern. Reicht das? Genügt dies als Antwort auf den Hilferuf der Erde?

An diesem Punkt setzt die Tagung an: Können wir Allianzen mit Zeitgenossen aus verwandten Gruppierungen bilden, um mit vereinten Kräften in den gesellschaftlichen Dimensionen, die grösser sind als unser Alltagsengagement, einen aktiven Beitrag für unsere Erde zu leisten?

 

Allianzbildung geht davon aus, dass man aus ganz verschiedenen Richtungen für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten kann. Diese Allianzbildung will gelernt sein, dafür stehen an der Tagung die thematischen Labore. Am Donnerstag geht es um die Fokussierung: Welches ist genau das Ziel und welche Partner braucht die Allianz? Am Freitag geht es um die Umwandlung: Wie finden die Allianzpartner zu den Überschusskräften, um in dem Gewordenen den Durchbruch neuer Impulse zu ermöglichen? Eine innere Arbeit jedes Einzelnen ist gefordert: Kann ich mit der Aufgabe wachsen? Am Samstag geht es in die Gestaltung: Wie kann der neue Impuls in der Allianzgruppe und in der Welt akzeptiert und verankert werden? Der Mittwoch gehört dem globalen Blick auf die Herausforderungen und Chancen unserer Zeit im Hinblick auf Landwirtschaft und Ernährung. Die folgenden drei Tage werden durch den Michaelbrief Rudolf Steiners eingeleitet; dieser fordert vor einem weiten historischen Hintergrund ein aktuell mutiges Tun durch geistige Erkenntnis. Das Referat von Nicanor Perlas leitet das jeweilige Tagesthema ein und impulsiert das nachfolgende Labor. Zu Beginn des Nachmittags findet die Konferenz der weltweiten biodynamischen Bewegung in Form von selbstorganisierten Treffen internationaler Gruppen statt. Die Gruppen sind im Internet und an der Tagung angekündigt. Anschliessend berichten Akteure aus der biodynamischen Bewegung von bestehenden Allianzen. Das Ende des Nachmittags und der Abend gehören Vorträgen und künstlerischen Darstellungen, die weite Innenräume öffnen: Wo und wie gründen Allianzen im Innern jedes einzelnen Menschen und im Zwischenmenschlichen unserer michaelischen Zeit?

 

UELI HURTER           JEAN-MICHEL FLORIN         THOMAS LÜTHI

Tagungsdokumentation 2013
Flyer PDF
Wann?

Wer?

Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum
fon +41 61 706 42 12
E-Mail

Wo?

Goetheanum
Rüttiweg 45
4143 Dornach/Schweiz

Bericht Landwirtschaftliche Tagung 2013

Maya Graf, als Präsidentin des Nationalrates höchste Schweizerin und gleichzeitig Biobäuerin, begrüsste 568 Menschen aus 33 Ländern, die sich zum Thema “Allianzen für unsere Erde” im Goetheanum in Dornach/Schweiz trafen. Jean-Michel Florin von der Sektionsleitung für Landwirtschaft beschrieb den Weg vom Berührtsein von der Welt zu aktivem Handeln in der Welt.

Impuls-Referate des philippinischen Umweltaktivisten Nicanor Perlas legten jeden Morgen eine Grundlage für 16 verschiedene Allianz-Labore, welche am Beispiel verschiedener biologisch-dynamischer Arbeitsfelder die schwierige Kunst der Allianzbildung behandelten. Fach- und Berufsgruppentreffen bearbeiteten zentrale biologisch-dynamische Themen. Als ermutigende Beispiele für gelungene Allianzen berichteten acht Menschen aus verschiedensten biodynamischen Kontexten und Ländern von ihren Erfahrungen.

Hans Rudolf Herren stellte die riesigen weltweiten landwirtschaftlichen Probleme auf Grund des Weltagrarberichtes dar. Rajagopal aus der Landlosenbewegung in Indien bot noch eine weitere Facette des Themas: die scheinbar aussichtslose Situation von Millionen landloser Familien kann nur durch riesige, kreative und mutige Allianzen und Aktionen (Marsch von 50‘000 Menschen gegen Delhi) gewaltlos verändert werden.

Lars-Åke Karlsson aus Finnland, ehemaliger UNO-Friedenstruppenoffizier, heute Priester der Christengemeinschaft, trug zum Thema Allianzen eindrücklich den Friedensaspekt hinzu, welcher dauerhaft aus persönlichem innerem Engagement und dem vertieften und empathischen Hinhören auf die wirklichen Anliegen des anderen möglich wird.

Constanza Kaliks von der Jugendsektion erläuterte, wie Seefahrer nach aussen unerschrocken und offen in das Unbekannte vordringen und gleichzeitig Geistesforscher wie Nicolaus Cusanus nach innen an der Erweiterung des Weltbildes arbeiten können. Patrick Holden, Direktor des Sustainable Food Trust in England schilderte Konstellationen, in denen unmöglich geglaubte Allianzen auch mit „schwierigen“ Entscheidungträgern möglich werden können. Gleichzeitig wurde klar, dass es ganz auf die innere Haltung, das flexible, aber unbeugbare Rückgrat jedes einzelnen von uns ankommt. Es gibt kein Ausweichen aus der ganz persönlichen Verantwortung für die Welt und das Ganze.

Dies betonte auch in der Abschlussrede Ueli Hurter, Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft, indem er auf die tägliche Situation der Bauern einging, welche zwischen der Hofarbeit, dem Vermarkten ihrer Produkte und dem Engagement für die Welt oft in Gefahr geraten, zwischen Innen und Aussen nicht das ausgewogene Mass zu finden und sich aufzureiben. Trotzdem kommt heute niemand mehr an der Dringlichkeit vorbei, biodynamische Höfe nicht nur als Kulturinseln, sondern auch als Ausgangs- und Vernetzungspunkte für gesundende Weltallianzen zu sehen.

Regina Haller/Hartmut Heilmann

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