Jahresthema 2012/13

|   Jahresthema
Allianzen für unsere Erde

Wir wollen mitgestalten

Nach der Aufbruchtagung 2011 und der Vertiefungstagung 2012 soll jetzt im Jahresthema und in der daraus hervorgehenden Tagung 2013 der dritte Schritt folgen: Ein aktives Einbringen unseres spezifisch biodynamischen Impulses in die aktuelle und globale Zeitverantwortung soll ermutigt und gelernt werden, durch persönliche Kontakte, regionale Partnerschaften und globale Netzwerke. Was ist meine und unsere Aufgabe für den Planeten Erde? Was ist meine und unsere Verantwortung jetzt und in den kommenden Jahren? Was fordert die Zeitsituation von mir und uns? Wir haben entdeckt, dass diese Fragen nicht nur von aussen auf uns zukommen, sondern zu unseren innersten Brennpunkten gehören. Wir haben gesehen, dass diese Fragen dem Kern des biodynamischen Impulses nicht fremd sind, sondern im Gegenteil zu diesem Kern gehören. Wir haben auch entdeckt, dass wir inspirierende Bilder, neue Horizonte, tiefe Einsichten von Rudolf Steiner haben, die wir nicht als für die biodynamische Bewegung reserviert ansehen können, sondern die wir mit anderen teilen möchten. Bringen wir also unser Engagement ein in die aktuelle vielfältige Zivilgesellschaft.


Wie können wir mitgestalten?

Wie kann man eine solche Mitarbeit realisieren? Ausgehend von einer Frage, die einen tief im Innern bewegt, können wir uns in aller Bescheidenheit mit anderen Menschen zusammentun, die von demselben Problem genauso existentiell berührt sind. Dies wäre ein erster Schritt auf dem Weg Bündnisse zu schliessen. Das Eingehen von Bündnissen und Allianzen im Sinne von zielorientiertem Arbeiten im öffentlichen Raum will gelernt sein. Naiv wäre es, mit den Partnern alles teilen zu wollen, in allem Einverständnis zu suchen. Und genauso naiv wäre es zu meinen, man könnte irgendetwas alleine, ohne Partner bewirken. Es geht darum, sich mit den Allianzpartnern auf ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Position, einen gemeinsamen Handlungskorridor zu verständigen. Und dann ist die Kunst der föderativen Zusammenarbeit zu lernen. Jeder ist in seiner Eigenart willkommen und kann etwas beitragen zur Allianz die auf ein bestimmtes Ziel hin orientiert ist. Jeder ist so eigenwillig und speziell wie er ist – was die anderen sicher vor allem von uns Biodynamikern denken – und das behindert uns nicht, sondern befähigt uns als Bündnispartner etwas Gemeinsames zu wollen. Für die Kunst der föderativen Zusammenarbeit in Allianzen wollen wir uns interessieren und wir wollen sie auch lernen.


Bei welchen Themen können wir mitgestalten?

Wir wollen nicht im Allgemeinen bleiben und nur die soziale Technik lernen, sondern konkret mit und an Themen arbeiten, wo wir von der Sache her allianzfähig sind. In folgenden fachlich-sachlichen Themenkreisen können wir uns von der Sache her einbringen:

  • Bienen, What are de bees telling us?
  • Landsharing versus Landgrabbing, zukünftige Gestaltung des Bodenrechtes
  • Regionales Geld, wie und wo kann das Geld wieder an die Realwirtschaft angekoppelt werden?
  • Regionale Kultur und Vermarktung, Regionalwert AG
  • Urban farming, gibt es biodynamische Street Farmer und Roof-Gardens?
  • Saatgut und Züchtung, Wem soll das Saatgut gehören? Sowing the future
  • Wirtschaftsgemeinschaften, CSA, AMAP
  • Forschungskreise für das Leben, Université du vivant
  • Freie Ausbildungen, The Biodynamic Ambassadors
  • Landwirtschaftspolitik, so weiter wie bisher ist keine Option

In einigen Bereichen und Ländern gibt es schon Allianzen, es gibt erfolgreiche Beispiele und Erfahrungen. Es geht also auch darum, keimhafte Ansätze zu stärken , vorhandene Potentiale auf persönlicher Ebene von Mensch zu Mensch, auf regionaler Ebene und auch auf globaler Ebene zur Entwicklung zu bringen.


Zum praktischen Umgang mit dem Jahresthema

  • Jeder kann sich die Frage stellen: Was ist für mich ein Thema, das mich konkret und existentiell betrifft und wo es mich drängt mit anderen in eine öffentliche Gestaltungsarbeit einzutreten?
  • Jede Person und jede Gruppe kann sich fragen, wo sie schon erste Erfahrungen hat im föderativen Zusammenarbeiten?
  • Gruppen und Organisationen von Regionen und Ländern können sich fragen: Sind wir isoliert, oder sind wir genügend vernetzt? Wer sind unsere Partner in der Zivilgesellschaft? Stehen wir aktuell für konkrete Ziele in Allianzen ?
  • Wo gibt es interessante Beispiele, historische Beispiele, Literatur, Persönlichkeiten für funktionierende Allianzen, die die Kunst schaffen, die Unabhängigkeit der Akteure mit der Verbindlichkeit für die Zielerreichung zu kombinieren?
  • Man kann den Anregungen Rudolf Steiners nachgehen, die er für die föderative Zusammenarbeit gegeben hat. Wie bringe ich mich ein, frei und souverän, aber ganz im Dienste der Sache, aus der Verantwortung für das Zeitnotwendige? Dazu gibt es eine Fülle von Angaben bei Rudolf Steiner, von der persönlichen Schulung, über die kollegiale Zusammenarbeit – siehe Gründung des Forschungsringes in Koberwitz – bis zur Dreigliederung des sozialen Organismus.
  • Zum Jahresthema gehört auch der nächste Michaelbrief vom 15. Februar „Gnosis und Anthroposophie“, mit den Leitsätzen 159 bis 161, GA 26.

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