Living Farms

Potentiale biodynamischer Orte in Zeiten globalen Wandels

In dem Projekt «Living Farms: Potentiale biodynamischer Orte in Zeiten globalen Wandels» werden 15-20 biodynamische Höfe weltweit besucht und erforscht. Durch Kurzvideos, Publikationen und Veranstaltungen werden die Gedanken, Strategien und Handlungsoptionen der unterschiedlichsten biodynamischen Höfe in Zeiten des globalen Wandels sichtbar und zugänglich gemacht. So kann die landwirtschaftliche Praxis, Beratung und auch Konsumentinnen und Konsumenten einen Zugang zu dem weltweiten Repertoire an Möglichkeiten biodynamischer Orte bekommen. Dieser Zugang ermöglicht ein gemeinsames Wachsen an den Herausforderungen des globalen Wandels.

Das Projekt wird mit der finanziellen Unterstützung von der Stiftung LBB ermöglicht.

 

Kontakt

Lin Bautze
E-Mail: lin.bautzenoSpam@goetheanum.ch
Telefon: +41 61 706 41 44

Dr. Jasmin Peschke
E-Mail: jasmin.peschkenoSpam@goetheanum.ch
Telefon: +41 61 706 41 32

Wir leben in einer Zeit des globalen Wandels. Unsere Umwelt, unser soziales Miteinander und unser Verständnis der Wirtschaft verändert sich und ist in Bewegung. So steht auch die Landwirtschaft vor einer Reihe an drängenden Veränderungen. Der Klimawandel, Verlust an Bodenqualität und -quantität, der Verlust an Biodiversität und die Verschmutzung unserer Wasserquellen stellen weltweit die landwirtschaftliche Praxis vor neue, drängende Herausforderungen. Auch die Frage, wie wir in Zukunft gesund leben können wird akuter. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit gesunden Lebensmitteln aus gesundem Boden. Beim Verzehr dieser Produkte begegnen wir ihrer einzigartigen Qualität, die auf dem Hof in seiner Landschaft entstanden ist. Wir sagen damit „Ja“ zu genau der Art der Erzeugung. Hier entscheiden wir, wie unsere Umwelt aussieht. Hof und Konsumentin und Konsument stehen also in Beziehung zueinander. Diese Beziehungen können so vielfältig sein, wie es Höfe gibt.  Man könnte dies auch Ernährungswerkstatt nennen, sie ist eine Einheit, die eine Identifizierung der beteiligten Menschen zum Ort und involvierten Umfeld ausdrückt. Ausserdem geben neue Wirtschaftskonzepte, wie das assoziative Wirtschaften, Hoffnung für eine nachhaltige Zukunft der Landwirtschaft.

Nichtsdestotrotz drängen die negativen Folgen des globalen Wandels die landwirtschaftliche Praxis schnell zu reagieren um so die eigene Produktion und Wirtschaftlichkeit nicht zu verlieren. Dies erfordert einen neuen Blickwinkel auf unsere landwirtschaftliche Produktion und auf unser Verhalten als Verbraucherinnen und Verbraucher. Um den Balanceakt einer nachhaltigen Landwirtschaft für uns Menschen und unsere Umwelt zu meistern braucht es innovative Konzepte. Diese sollten praxiserprobt, gut umsetzbar, schnell erlernbar und erlebbar für verschiedene Betriebe sein.

Hunderte und tausende von biodynamischen Betrieben sind mit den inspirierenden Konzepten vom «Landwirtschaftlicher Organismus» und «Landwirtschaftliche Individualität» gegründet, entwickelt und gestaltet worden. Heute entdecken wir, dass diese Betreibe anregende Beispiele sein können für viele Herausforderungen des aktuellen globalen Wandels. Der Aufbau der Bodenfruchtbarkeit, eine bodengebunden Tierhaltung, innovative Praktiken in der Pflanzenzüchtung, die Vernetzung in der Wertschöpfungskette, lebendige Ernährungswerkstätten um einen Hof und weitere Ideen sind in der Praxis entstanden und werden bereits aktiv umgesetzt. Diese können angesichts des Klimawandels, aber auch Problemen wie den Lebensmittelabfällen eine Anregung für Schritte in die Zukunft sein. Das Projekt «Living Farms» will einige solcher Höfe erforschen um über Video-Porträts einen ermutigenden Beispiele verfügbar zu machen wo immer nach solchen gesucht wird, auf den Feldern, in den Läden, in den Küchen, in den Büros.

Der globale Wandel bringt die Möglichkeit durch neue Medien schneller inspiriert zu werden und voneinander zu lernen, sich auszutauschen und miteinander zu wachsen. Nie war es so einfach möglich, wie in unserer heutigen Zeit. Unsere Vernetzung bietet das Potential sich offen, neugierig und partizipativ auszutauschen, die Chancen und Herausforderungen unserer Zeit und Landwirtschaft gemeinsam zu erforschen.

Zwischen Mai 2019 und Februar 2022 werden in dem Projekt «Living Farms: Potentiale biodynamischer Orte in Zeiten globalen Wandels» weltweit 15-20 biodynamische Höfe besucht, erforscht und portraitiert.

Um eine vielfältige, lebendige und authentische Sammlung an biodynamischen Orten zu ermöglichen werden weltweit die nationalen biodynamische Vereine kontaktiert. Diese schicken ihre Vorschläge ein um so von Anfang an in der Auswahl beteiligt zu. Damit die finale Sammlung der Höfe eine geographische und inhaltliche Diversität widerspiegelt werden die eingereichten Vorschläge im Team der Sektion besprochen und anhand der administrativen und finanziellen Machbarkeit ausgewählt.

Neben unterschiedlichen geographischen Lagen, Klimazonen und Landschaften werden auch breitgefächert Betriebszweige, -strukturen und persönliche Biographien der Betreibenden berücksichtigt. So präsentiert sich die biodynamische Bewegung in seiner Vielfältigkeit und seinem Repertoire an Möglichkeiten dem globalen Wandel zu begegnen.

Während der Besuche begleitet ein_e Filmemacher_in den Prozess vor Ort. In gemeinsamen Gesprächen und Interviews wird zusammen mit den Hofbetreibenden entschieden welche Aspekte gefilmt werden. Zusätzlich werden in halbstrukturierten-leitfadenorientierten Tiefeninterviews mit den Menschen auf den Höfen verschiedene Themenaspekte aufgegriffen. Neben rein sachlich agronomisch vergleichbaren Aspekten, wie Betriebsgrösse, Wirtschaftlichkeit etc., können so auch persönliche, biographische Aspekte beleuchtet werden.

Die Ergebnisse der Besuche werden in Form von Kurzvideos präsentiert und laufend veröffentlicht. Diese sind hier auf der Projekthomepage, aber auch auf Facebook, Youtube und Instagram zugänglich. Ausserdem werden die Ergebnisse vertieft unter anderem in einer Buchpublikation, aber auch auf verschiedenen Veranstaltungen erörtert.

Granstedt, Artur & Kjellenberg, Lars (2019). Der Landwirtschaftsorganismus als Forschungsgegenstand – Langzeitversuche zum biologisch-dynamischen Anbau in Skandinavien 1958-1990. Lebendige Erde 3-2019, Darmstadt. https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2019_3

König, Johannes (2018). Präparate und Landwirtschaftlicher Organismus. Lebendige Erde 4-2018, Darmstadt. https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2018_4

Olbrich-Majer, Michael (2018). Der Mensch wird zur Grundlage gemacht – Landwirtschaft als sich entwickelnder Organismus. Lebendige Erde 3-2018, Darmstadt. https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2018_3

Mück, Ulrich (2018). Organismus – landwirtschaftlich oder marktorientiert? Markt und Konsumenten gestaltet die Landwirtschaft. Lebendige Erde 2-2018, Darmstadt. https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2018_2

Hurter, Ueli (2018). Die landwirtschaftliche Ganzheit: Biodynamiker verstehen Landwirtschaft ale Organismus und eine Art Individualität. Lebendige Erde 1-2018, Darmstadt. https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2018_1

Steiners Impulse (4/2016). Jeder Hof ein individueller Organismus. Demeter e.V., Darmstadt. https://www.demeter.de/sites/default/files/public/pdf/steiners_impulse_demeter_biodynamisch.pdf

Vogt, Günther (2000). Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus im deutschsprachigen Raum (pp. 98-197). Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL). Bad Dürkheim.

Rozumek, Martin und Beismann, Michael (1997). Anthroposophische Erkenntnis- und Handlungsansätze zur ökologischen Frage. Studie im Auftrag der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (pp.146-192), Heidelberg.

Steiner, Rudolf (1924). Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kurs (GA 327). Insbesondere der Zweiter Vortrag (10. Juni 1924) und Achter Vortrag (16. Juni 1924). Goetheanum Verlag, Dornach. http://anthroposophie.byu.edu/vortraege/327.pdf

 

Sie kennen weitere Literatur zum Thema? Bitte schicken Sie uns Ihre Vorschläge an: lin.bautzenoSpam@goetheanum.ch

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