Jahresthema 2019/20

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Das Geistige in der Landwirtschaft

Die biodynamische Landwirtschaft hat sich aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft Rudolf Steiners heraus entwickelt. Die hierfür grundlegenden Vorträge werden unter dem Titel «Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft» (sog. Landwirtschaftlicher Kurs, GA 327) herausgegeben. Gerade diese spirituelle Ausrichtung weckt bei vielen Menschen das Interesse an der biodynamischen Landwirtschaft. 

Eine reiche Palette von Motiven

Erweiterte Anschauungen zum materiellen Weltbild werden heute verstärkt gesucht – sei es aufgrund der Sehnsucht nach einer geistigen Welt; sei es aufgrund eigener spiritueller Erfahrungen; sei es aufgrund dessen, dass sich der Materialismus mit all seinen Auswüchsen in Wissenschaft, Wirtschaft und Sozialen ad Absurdum führt; sei es aufgrund der praktischen Erfahrung mit der bio-dynamischen Landwirtschaft; sei es aufgrund erkenntnistheoretischer Einsichten; sei es schlicht aufgrund der Einsicht, dass es spiritueller Kräfte bedarf, um die Existenz der Menschheit zu sichern: «Dass aus dem Geiste heraus müssen Kräfte geholt werden, die die Bedeutung haben, dass das Leben der Menschen auf Erden im physischen Sinne weitergehen kann», so Rudolf Steiner sinn¬gemäss in der Einführung des Landwirtschaftlichen Kurses. Die Palette der Gründe, sich für das Spirituelle in der biodynamischen Landwirtschaft zu interessieren und sich ihr zuzuwenden, ist reich. 

Zwischen Öffnung und Selbsttreue

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist die biodynamische Bewegung verstärkt eine weltweite Bewegung geworden. Sie entwickelt sich kräftig in Asien sowie in Süd- und Mittelamerika, in Südafrika und in vielen anderen Regionen und Ländern. Dadurch kommt sie in Berührung mit der traditionellen Spiritualität indigener Völker. Wie können wir als biodynamische Bewegung ein Verständnis und eine Beziehung zu dieser Art Spiritualität entwickeln? Kann die Begegnung mit der biodynamischen Landwirtschaft mit solchen ‹traditionellen Spiritualitäten› zu einer gegenseitigen Befruchtung füh¬ren, aus der jeder Mensch seinen persönlichen, eigenen Weg in neuer Freiheit finden kann? Gibt es Beispiele von solcher gelungenen persönlichen Integration? Wie kann die biodynamische Bewegung dabei sich selber und ihrer Wurzel in der Anthroposophie treu bleiben, ohne in alten Traditionen ste¬cken zu bleiben? Und schließlich: Wie kann der heutige Mensch in dieser Suche nach dem Geistigen der Wachheit und Urteilsfähigkeit seines Gegenwarts-Bewusstseins gerecht werden? 

Kultur des spirituellen Alltags 

Wie können wir voneinander lernen? Wie können wir ein offenes Ohr für die spirituellen Erfahrungen des anderen Menschen haben und wie können wir dafür ein sachgemäßes und gegenseitiges Ver¬ständnis entwickeln? Ein solches Sich-Gegenseitig-Begleiten kann eine Basis für die Entwick¬lung einer Kultur im Umgang mit dem Spirituellen in der täglichen Arbeit sein.

Der ganze Mensch ist gefragt

Der Suche nach dem Spirituellen haftet oft die Vorstellung an, dass die Bodenständigkeit, die Hand¬festigkeit verloren gehen könne. Oft werden Weltflüchtigkeit oder intellektuelle Abstraktheit damit verbunden. Wenn es aber um die Erfahrung des Geistigen in der Welt um uns geht, dann ist immer der ganze Mensch gefragt, der willenstätig-schaffende, der fühlende und der anschauend-be¬sinnende Mensch. Und je nach Betonung fällt auch die Art der geistigen Erfahrungen anders aus: Die einen machen einschlägige Erfahrungen in den werktätigen Umsetzungen der Inhalte des Land-wirtschaftlichen Kurs, die anderen kommen zu Schauungen übersinnlicher Eindrücke. 

Verantwortungsübernahme

Die Arbeit in der Landwirtschaft stellt uns heute vor große Herausforderungen: Von der Natur (z.B. Klimaveränderung) über mich selbst (z.B. Selbstkompetenz) bis hin zur Zusammenarbeit im Sozialen. Wie kann mir der bewusste Einbezug der übersinnlichen oder geistigen Dimension der Wirklich¬keit eine konkrete Hilfe für die Bewältigung aller dieser Herausforderungen sein?  Wie können spirituelle Fähigkeiten und Übungswege angesichts der aktuellen Konfrontation mit der virtuellen und digitalen Welt - Steigerung der Nervosität, Schwächung der Konzentration - mir stärkend zur Seite stehen? Und schliesslich: Wie kann ich der materiellen Welt die geistige Wirklichkeit zur Seite stellen um einen besseren Boden für meine konkreten Handlungen in der Landwirtschaft zu finden, um souverän, Ich-bewusst, und verantwortlich handeln zu können? 

Zum Jahresthema 2019/2020 gehört der folgende Michaelbrief «Die geschichtlichen Erschütterungen beim Heraufkommen der Bewusstseinseinsseele» und seine drei Leitsätze (GA 26).

 

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