Forschung und Entwicklung

Neue Methoden der Forschung

Dr. Uli Johannes König

 

Bereits während des Landwirtschaftlichen Kurses forderte R. Steiner die Landwirte auf, die Angaben, die er machte, zu prüfen und in der Praxis zu erforschen. Um die Forschungsergebnisse auszutauschen, wurde ein Versuchsring anthroposophischer Landwirte noch während der Tagung in Koberwitz gegründet.

Die Themen, die R. Steiner anschnitt, waren entweder äußerst komplex (z.B. Individualisierung des Betriebsorganismus), oder sie betrafen das Grenzgebiet zwischen physisch messbaren Größen und ätherisch-geistigen Wirkungen (z.B. die Präparate oder die Unkraut- und Schädlingsregulierung durch Veraschung). Wie dies zu erforschen war, hat er nicht explizit beschrieben. Aus dem Landwirtschaftlichen Kurs geht aber hervor, dass der biologisch-dynamische Landwirt idealerweise als "Meditant", das heißt geistig Forschender gesehen wurde. Dass dies auch für die damaligen Landwirte schon ein hoher Anspruch war, braucht nicht erwähnt zu werden. R. Steiner ging mit einer gewissen Selbstverständlichkeit davon aus, dass man die von ihm gewonnenen Ergebnisse mit alternativen wissenschaftlichen Ansätzen, die es aber noch zu entwickeln galt, prüfen und nach außen darstellen kann. Schaut man heute auf die Entwicklung dieser alternativen wissenschaftlichen Ansätze zurück, so kann man deutliche Phasen erkennen, in denen sehr unterschiedlich gearbeitet wurde.

In den ersten Jahrzehnten (der sogenannten Pionierphase) entwickelten Einzelpersonen sehr individuelle Forschungsansätze, die aber meistens so schlecht dokumentiert wurden, dass sie heute nur noch wenig Bedeutung haben. Diese Phase lief etwa in den 70er Jahren aus.

Eine zweite Phase hatte die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Methode und den Besonderheiten der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft zum Inhalt. Sie begann etwa in den 60er Jahren und dauert bis heute an.

Eine dritte Phase ist dadurch charakterisiert, dass der Forscher seinen persönlichen Erkenntnisweg zusammen mit seinen Berufskollegen spiegelt und zunehmend offen über seine Erfahrungen auf dem spirituellen Weg sich auszutauschen lernt. Diese Phase beginnt relativ verborgen in den 70er Jahren und tritt Mitte der 90er Jahre deutlich in die Erscheinung.

 

Forschungsansätze

 

Bildschaffende Methoden

 

Aus der Frage Ehrenfried Pfeiffers (1930), wie man Lebenskräfte „sichtbar“ machen könne, entstanden in den zwanziger Jahren die so genannten „Bildschaffende Methoden“ (Kupferchlorid-Kristallisation, Steigbild, Tropfbild). Diesen Methoden gemeinsam ist, dass man ein Reagenz (Salz, Wasser) in einen solchen Zustand bringt, dass es sich selbstlos den gestaltbildenden Lebenskräften unterordnet, die von einer zu prüfenden Substanz ausgehen, um so Medium für ein „Bild“ dieser Kräfte zu werden. Dieses Bild kann dann mit einiger Fachkenntnis interpretiert werden.

 

Goetheanismus

 

Im Gegensatz zur herkömmlichen Analytik wird im Goetheanismus versucht, den zu untersuchenden Gegenstand selbst sprechen zu lassen. Anstatt ihn in seine Einzelteile zu zerlegen, wird er in seinem Umfeld ganzheitlich beschrieben. Es wird immer beim Phänomen geblieben, ohne einen analytisch-kausalen Erklärungshintergrund hinzuzuziehen. Diese Art der Betrachtung kann für einzelne Pflanzen (zum Beispiel in der Züchtung) oder auch für den ganzen Betrieb angewendet werden.

 

Übersinnlich-meditative Forschung oder der Mensch als Reagenz

 

Bis in die 80er Jahre wurde, einer alten Gepflogenheit der anthroposophischen Bewegung zufolge, nichts über übersinnlich-meditative Forschung dokumentiert. Wenn man jedoch die eine oder andere Biografie der biodynamischen Pioniere zu Hilfe nimmt, so wird man doch schnell erkennen müssen, dass auf diesem Felde einiges getan wurde.

Seit etwa einem Jahrzehnt ist die Situation eine andere. Es gibt eine ganze Reihe Initiativen, viele davon im biodynamischen Umfeld, die mithilfe der unmittelbaren übersinnlichen Wahrnehmung nach Antworten für die sie bewegenden Fragen suchen. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch ein Charakteristisches in der heutigen Zeit. Viele Menschen haben das Interesse und auch die Anlagen dazu, übersinnliche Erfahrungen selber zu machen. Je mehr sich daher diese Menschen in ihren Fähigkeiten schulen, desto besser kommen sie in die Lage, die Erfahrungen, die andere Personen gemacht haben, selber zu prüfen. Die Kluft zwischen dem Forscher, der die Erkenntnisse gewinnt und dem Anwender dieser Erkenntnisse beginnt sich zu schließen. Der Bauer, ja jeder Mensch in seiner Situation, kann als Meditant seine Urteilsfähigkeit intensivieren.

 

Naturwissenschaftiche Forschung

Ueli Hurter

Die Organisationen, die die biodynamische Landwirtschaft in den jeweiligen Ländern vertreten machten sich ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer wichtigen Aufgabe, die Biodynamik wissenschaftlich zu erfassen und zu „beweisen“. Es entstanden eigene Forschungsinstitute, z.B. in Darmstadt/Deutschland, das Forschungsinsitut für Biologisch-Dynamische Forschung im Jahr 1950, in Järna/Schweden das Institut des nordischen Forschungsringes 1956, in der Schweiz das FiBL 1973, in Holland das Louis-Bolk-Institut 1976, in den USA das Michael Fields Agricultural Research Institute 1984. Es wurde aber auch mit universitären Instanzen zusammengearbeitet. So entstanden ab 1973 an der Universität Giessen bei Eduard von Boguslawski (1905-1999) die ersten Dissertationen zu biodynamischen Themen. Eine herausragende Stellung nimmt der DOK-Versuch in der Schweiz ein, der durch politische Initiative angestossen wurde und von staatlichen Versuchsanstalten in Zusammenarbeit mit dem FiBL als Langzeitversuch seit 1977 drei Anbausysteme, Dynamisch – Organisch – Konventionell (DOK) miteinander vergleicht.

 

Naturwissenschaftliche Versuchsresultate

Dr. Jürgen Fritz

 

Die biologisch-dynamischen Präparate und die Berücksichtigung von Plantenkonstellationen im Pflanzenbau sind Kennzeichen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Beide Maßnahmen können als Versuchsvarianten klar definiert werden. Die Forschung zum biologisch-dynamischen Landbau an Universitäten hat sich deshalb sehr deutlich auf die Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate und Systemvergleichsversuche Konventionell, Organisch, Biologisch-Dynamisch konzentriert.

In den frühen Untersuchungen von Abele (1973, 1987), Spieß (1978), Kotschi (1980) wurde vor allem geprüft ob die biologisch-dynamischen Präparate die Pflanzenentwicklung signifikant verändern. Im Wesentlichen wurden dabei die von Steiner (1924) formulierten Ziele bei der Entwicklung der biologisch-dynamischen Präparate beobachtet:

  1. Harmonisierung und Normalisierung des Pflanzenwachstums
    Pflanzenreaktionen auf Präparateapplikationen traten vor allem unter suboptimalen Wachstums und Lagerbedingungen auf. Dies zeigte sich in den dargestellten Versuchen beim Ertrag (Spieß, 1978), bei der Bruchfestigkeit von Getreidehalmen (Jost & Jost, 1983).

  2. Förderung der Pflanzengesundheit
    Der Befall von Gurkenmehltau wurde mit Hornkieselapplikationen deutlich reduziert im Vergleich zur Kontrolle (Schneider-Müller, 1991). Die Bakterienkeimzahl, die Selbstzersetzung und die Verderbnis von Möhren im Lager wurde mit den Feldspritzpräparaten verringert (Samaras, 1978).

  3. Verbesserung der Nahrungsmittelqualität
    Der Nitratgehalt von Möhren und Spinat wurde mit den biologisch-dynamischen Präparaten im Vergleich zur Kontrolle gesenkt. Mit zunehmender Lagerungdauer des Spinats nahm mit der Applikation aller Präparate der Nitritgehalt nicht zu und der Vitamin C-Gehalt nahm nur geringfügig ab im Vergleich zur Kontrolle ohne Präparatebehandlung (El Saidi, 1982).

  4. Verlebendigung von Dünger und Erde
    In den beiden Dauerdüngungsversuchen zeigte sich eine höhere microbiologische Aktivität des Bodens in der biologisch-dynamischen Variante im Vergleich zur organischen Variante (Bachinger, 1992, Mäder et al., 2002).


In aktuelleren Untersuchungen stehen Versuchsfragen zum Verständnis und zur Weiterentwicklung der Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate stärker im Vordergrund.


Diese schulwissenschaftliche Auslotung und Begründung der Biodynamik war und ist für die gesellschaftliche Akzeptanz und für die Dialogfähigkeit in der heutigen Wissensgesellschaft von grosser Bedeutung. Für die Praxis und die Weiterentwicklung der Methode hat sie eine begleitende Funktion. Daneben haben sich die in vielen Ländern in Regionalgruppen organisierten Bauern und befreundete Menschen mit verschiedenen fachlichen Hintergründen immer als Forschungsgemeinschaft verstanden und haben gedanklich und praktisch an der Weiterentwicklung des biodynamischen Impulses gearbeitet. In einigen Regionen, wie zum Beispiel in Norddeutschland, wurde diese Art der Arbeit sehr betont und es entstanden vom Organisatorischen und vom Inhaltlichen her hochstehende Lerngemeinschaften.