Bericht Intensivwoche 2015

Persönlicher Bericht von Werner Michlits

Als mich einige Monate vor der Intensivwoche die Einladung erreichte, wusste ich sofort: hier will ich hin. Das Thema hat mich gefesselt und die immer wieder leise hörbare Mundpropaganda der Vorjahre, die Intensivwoche zu besuchen, hat ebenso einen wirksamen Beitrag geleistet.

Leicht fängt der Trubel des Alltags, die Herausforderung der schnelllebigen Zeiten oder die vielen Reizüberflutungen den Blick in die Ferne ein und holt uns in ein kleines Feld gespickt mit Gewohnheiten. So war es auch kurz vor der Intensivwoche: "Habe ich überhaupt Zeit nach Dornach zu fahren? Eine Woche weg - schafft das mein Betrieb?" Eine letzte Hürde bäumt sich auf, zum Glück gibt es Menschen, die dann noch den notwendigen Schubs geben.

Es ist bekannt, dass um Veränderungen, neue Orientierungspunkte, neue Entwicklungsphasen zu gestalten, ein Heraustreten aus dem Trott und der täglichen Gewohnheit notwendig ist. Gespannt wie weit ich mich in die neuen Methoden hineinleben kann, begann der erste Vortrag. Das Werkzeug des U-Prozesses von Claus Otto Scharmer kannte ich nur von Erzählungen. Ich war skeptisch, ob es mich tatsächlich erfassen kann. Doch ich habe mir fest vorgenommen, mich führen zu lassen, wenn notwendig mich fallen zu lassen und aufmerksam dem Weg zu folgen. Dazu passend war der erste Vortrag "Die vier Stufen des Zuhörens und des Sprechens". Und schon mittendrin im Weltcafé war plötzlich zwischen Fremden eine ganz besondere Stimmung des Vertrauens zu spüren. Wir lernen uns kennen und ich stelle fest, wir sind alle Menschen mit dem gleichen Grundziel, Menschen die aufmerksam am Erkenntnisweg sind, jeder in seiner individuellen Situation. "Wo stehe ich?" - beginnt der U-Prozess und durch das Hören der anderen tritt die Eigenbeschreibung auf eine andere Ebene. Ich merke, dass ich objektiver in meiner Betrachtung werde, ich beginne meine Situation von einer anderen Seite wahrzunehmen.

Wir waren aufgefordert schon im Vorfeld der Intensivwoche eine Frage zu formulieren, ein Brennpunkt aus unserem Tun oder unserem Hof, an dem wir arbeiten wollen. Die Fragen waren vielfältig - Organisationsentwicklung, Projektrealisierungen, Hofgestaltungen, unternehmerische Herausforderungen etc. Von mehreren Perspektiven betrachtet, wurde schließlich eines jeden Frage immer konkreter und konnte noch präziser formuliert werden. Aus dem Hinschauen wurde ein Hinspüren. Die künstlerischen Beiträge waren hierzu stimmig. Im Dialogspaziergang, der eigentlich gar kein Dialog im klassischen Sinne war, da der eine nur erzählte und der Spaziergangspartner nur zuhörte, kamen ganz tief verborgene Sichtweisen und Gefühle zum Vorschein. Zeichnungen und Tonskulpturen entstanden am trefflichsten, wenn die Augen fast geschlossen, Intuition und freie Hände die Gedanken in Formen brachten. Die meditative Naturbetrachtung war das helfende Werkzeug in der Talsohle des U-Prozesses. Wie kann ich etwas ins Absterben führen und daraus das Neue kommen lassen? Wie kann ich das Adventus hereinkommen lassen? Die Beobachtung der Natur war hilfreich, das Erleben der verschiedenen Welten - das Wasser im Bächlein, die Steine, die Bäume, der Weg hinauf zur Spitze des Hügels, der Tag der sich der Nacht schenkte, die Sterne in ihrer kosmischen Ordnung - sie alle haben in der Stille des Gehens auf uns gewirkt. Die Frage wird zum Projekt, zum Arbeitstitel.

Behutsam Schritt für Schritt, nicht zu schnell werden - war plötzlich eine Stimmung im Arbeiten, denn die Euphorie über den neuen Lösungsansatz pulsiert. Mit Ton das Projekt zu modellieren ist hier eine gute Methode und lässt die Gedanken träger, aber in bewusster Ordnung werden. Crystallizing wird dieser Schritt im U-Prozess genannt. Dem Tagungsteam war es ein Anliegen dieses Verdichten auch in ein Erproben zu führen und einen soliden Prototypen zu erstellen. Es ist hilfreich, einen konkreten Faden zur Umsetzung zu haben, der im Alltag Orientierung gibt. So kann es gelingen, der Verleitung in den üblichen Trott zu kommen zu widerstehen und konsequent weiter zu gehen.

Die Intensivwoche war täglich von Vorträgen und Impulsbeiträgen zu Landwirtschaft, Bienen, Ernährung, Landschaft, Lern- und Lebensprozessen umrahmt. In der mittäglichen Eurythmie wurde der U-Prozess auf anderer Ebene vertieft. Diese Woche hat mich gelehrt neue Methoden und Werkzeuge anzuwenden, um aus Brennpunkten Lösungswege zu erarbeiten. Die Tage haben mir Kraft geschenkt und ließen mich mit neuen Ideen und Gedanken zurückkehren. Zwischen den Teilnehmern aus vielen unterschiedlichen Ländern sind Bekanntschaften entstanden, die eine Bereicherung für die biodynamische Arbeit sind.

Zukunft Gestalten - Intensivwoche 2015

Vom 11.- 16. Januar 2015 führt die Sektion für Landwirtschaft zum vierten mal eine Intensivwoche „Zukunft gestalten“ am Goetheanum in Dornach/Schweiz durch. Die Intensivwoche ist ein Angebot für Menschen die in der biologischen oder der biodynamischen Landwirtschaft aktiv sind, und einen neuen kreativen Schritt in ihrem Hof, ihrer Organisation oder ihrem Unternehmen einleiten wollen.

Die Intensivwoche basiert auf dem U-Prozess von Claus-Otto Scharmer und arbeitet hauptsächlich mit dialogischen Methoden. Jeder Teilnehmer hat die Gelegenheit sich mit einer eigenen Frage oder einem eigenen Projekt intensiv ausseinanderzusetzen. Dabei wird sowohl die Methode des Gestaltens aus der Zukunft erlernt als auch konkrete Lösungen für eine aktuelle Situation erarbeitet. Anthroposophisch vertiefte inhaltliche Beiträge zur Methode und zu wichtigen Zeitfragen impulsieren die Arbeit.

Zum ersten mal wird die Intensivwoche zweisprachig angeboten. Arbeitssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt um eine intensive Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Anmeldeschluss: 26. Dezember 2014

Flyer und Programm der Intensivwoche 2015, zum downloaden bitte auf das Bild klicken.