Erlebnisskizzen

Hier finden Sie Zusammenfassungen der Erlebnisskizzen in Deutscher Sprache. Erlebnisskizzen in anderen Sprachen finden Sie über die Sprachnavigation.

Ein Selbstbedienungshof

Wil Sturkenboom

Der Hof und Garten befindet sich westlich von Amsterdam. Insgesamt sind es 8 ha davon ist ein Teil eine grosse Obstplantage und 2 ha sind Sumpfland. Früher wirtschaftete er auf einem 30ha grossem Hof, jedoch kam etwas in seinem Inneren auf, so dass etwas geändert werden sollte bevor er 50 Jahre alt wird. Nun der kleinere Hof bringt auch Vorteile mit sich, da Ideen schneller umgesetzt werden können. Mit seiner Frau, den Kindern, Mitarbeitern, Studenten und Behinderten führt er den Hof.

Die Kunden können selbst ihre Früchte, Chicorée und Hühnereier ernten. Es gibt 20 verschiedene Obstsorten, mit jeweils 5 Varietäten. Die Erntesaison geht von Ende Mai bis Januar. In den Wintermonaten können noch Himbeeren gepflückt werden.

Die Hühner sind seine Lieblinge und die Kombination mit einer Obstplantage ist hervorragend. Die Haltung der Hühner ergibt sich wie folgt: jeden Tag wird ihr Schlafplatz um 4 Meter verschoben, die Eier werden am Wegrand deponiert für die selbst erntenden Kunden. Der Hühnerstall trägt zu einem fruchtbaren Boden bei!

Wichtig ist ihm, dass die Kunden mit einem Lächeln auf den Hof kommen während sie die Eier einsammeln - ein wenig möchte er sie auch erziehen.

Ganz neu sind ihre Phänomenologie-Forschungen, weshalb noch nicht viel berichtet werden kann, aber dass wir 12 Sinne haben, anstatt wie meist angenommen nur deren fünf, führt schon zu einem AHA-Erlebnis.

Das Dach des Hofes besteht aus Gras und dient alss Regenwassersfilter. Die Biokompostmühle sorgt für die Wärmeerzeugung. Das alles ist den Kunden zugänglich, damit ein Bewusstsein entsteht, wie der Hof funktioniert.

Mittlerweile kamen auch andere Landwirte zu ihm und möchten genauso wirtschaften wie er. Interessanterweise ist 2016 das Jahr der Kreislaufwirtschaft und Amsterdam wird die Hauptanlaufstelle für dieses Thema sein. Es gibt ein Restaurant, einen Laden, ein Klassenzimmer, wo auch Studenten der Gartenbauschule Warmendorferhof unterrichtet werden – das sind hervorragende Studenten.

Die Geschichte des Hofes wird weiter gehen und aktuelle Informationen erhalten sie auf http://fruittuinvanwest.nl (englisch und niederländisch).

Fortwährend eine lebendige Beziehung zur Pflanzenwelt

Patrice Drai

Seit der Anwendung der biologischen-dynamischen Kultivierung, ab 1982, versuche ich immer wieder die Natur, meist Heilpflanzen, aufs Neue zu verstehen und eine lebendige Idee von ihr zu erhalten. Um dies zu verwirklichen, scheinen mir vergleichende Untersuchungen/ Experimente im Jahreslauf notwendig zu sein.

So begann ich auch Erfahrungen zu machen mit den kosmischen Einflüssen (ausgehend von Maria Thuns Arbeit), wie zum Beispiel die Kompost Präparate.

In mir hat sich im Lauf der Zeit eine intime Beziehung zwischen der Erde und der Pflanze entwickelt. Dieses Unbewusste oder auch diese bewusst werdende Intimität ergibt sich aus der Arbeit mit den Elementen und erlaubt das Kennenlernen des Erdendaseins und des Pflanzengeistes - dank dem Lichtäther.

Durch die Idee unsere Erde als globalen Garten zu betrachten, ist die Erfahrung mit unserem Weiler im kleinen Maßstab interessant: unser Weiler (kleine Wohnsiedlung) befindet sich auf einer landwirtschaftlichen Fläche von 60 Hektar. Mehrere unabhängige Landwirtschaftsbetriebe sind aufeinander abgestimmt, alle biologisch-dynamisch. Sie haben vor Ort einen Austausch mit unterschiedlichen Menschen, wie Lehrlinge, Praktikanten und Besucher.

Wir sind ein kleiner Teil (die Altair-Gärtnerei) in unserer gemeinsamen Arbeit: eine mögliche Antwort, was die Erde, die Menschlichkeit und das soziale Leben im größeren Kontext sein könnte.

Die Erfahrungen im Gärtnereigarten:

Seit zehn Jahren konnten wir zahlreiche neue und vergleichende Erfahrungen machen, welche als einen Versuch zum Aufbau einer Verbindung zur Pflanze zu verstehen sind. Die Aussaaten und die Keimung sind deshalb einfache Experimentierträger, um dies umzusetzen, da die Parameter (Sonne, Wasser, Licht, Wärme) einfach zu beherrschen sind.

Das Innere des Menschen muss sich öffnen, um eine Beziehung zur Pflanze herstellen zu können. Das Haupthindernis für diese Öffnung ist das moderne Leben, mit dem Erfolgszwang, mit dem übermäßigen Produktionszwang usw. Es muss sich ein absolutes Vertrauen in das Lebendige einstellen, sodass das menschliche Umfeld sinnvoll und tragend wird. Die Natur ist reichhaltig und sie schenkt gerne, aber unter einer Bedingung: dass der Gärtner sein Inneres öffnet.

Die inneren Erfahrungen: ein konkretes Arbeitsbeispiel mit den Pflanzen

Es handelt sich nicht um eine Arbeit mit den Elementarwesen, sondern mit dem Geist der Pflanzen.

Ich werde das Beispiel nehmen für das Einpflanzen von unterschiedlichen Pflanzen bei der Auswahl des Platzes. Es gibt keine „richtige Methode“. Es hängt von der Pflanze selbst ab, vom Zeitpunkt, dem Zustand, wo man sich gerade am Tag befindet usw. Es gibt unzählige Möglichkeiten.

Die Kamille blüht bei uns im Mai, wir haben sie an einem sehr sonnigen Platz eingesetzt, denn der Frühling ist meistens ein bisschen feucht und nicht sehr warm. Dieses Jahr, zu meiner Überraschung, hat die Kamille mich in das Zentrum des Gartens geführt, sehr nahe am Wald, in eine sehr schattige Parzelle. Ich habe gezögert sie dort einzupflanzen, habe es dann doch gemacht, im Gegensatz zu den anderen Gärtnern in der Region. Wie es sich herausstellte, hatten wir einen extrem warmen und trockenen Frühling, wie eigentlich die Monate Juni und Juli, nur war es jetzt in den Monaten April und Mai. Alle anderen Kamillen haben gelitten, sie haben sich sehr früh verholzt, wogegen in unserem Garten, im Schatten, die meinigen nicht gelitten und sich sehr gut entwickelt haben...

Ich versuche dem Wesen der Pflanzen über die imaginative Vorstellung, die Intuition, die sich mit dem Gefühl verbindet, näher zu kommen.

Wichtig ist sich die Metamorphose der Pflanze, sowohl das Wurzelsystem wie das Blattsystem, bis hin zur Blüte und Fruchtbildung vorzustellen. Man muss selbst „dieses Bild werden“ und beobachten was geschieht. Dafür sind gute Pflanzenkenntnisse notwendig. Es kann einen gewissen Moment geben, wo eine Wahrnehmung von Licht von der Pflanze ausgeht: sie erhellt sich ganzheitlich oder die Blüte allein erfüllt den ganzen Raum.

Ein Kontakt stellt sich ein, man ist der Pflanze ganz hingegeben und sie führt uns an den richtigen Ort und vermittelt ihre Bedürfnisse. Die „Antwort“ kommt aus der Sache heraus.

Fazit:

Ein Zitat von Jacques Collin, der sich viel mit dem Wasser auseinandergesetzt hat, und in seinem Buch: „L'insoutenable vérité de l'eau“ („die unaufhaltbare Wahrheit des Wassers“) zu finden ist:

“….viel Demut ist notwendig um sich mit dieser Welt hinter dem Licht zu beschäftigen. Tatsächlich, muss man mit einem subtilen Universum in Kontakt treten, zugleich mysteriös und schweigend, um die einsichtsvolle Verbindung zu finden und dort einen Unterschied zu erlangen und danach dort selbst mitzuschwingen im Einklang und im inneren Dialog mit den Phänomenen, die aus einem anderem Universum hervorgehen; „

Ich bin Gärtner, kein Redner, und ich werde gewiss diesen Bericht nicht genauso wie er niedergeschrieben ist, wiedergeben. Mein Impuls im Augenblick wird maßgebend sein. Der Text gibt aber eine Anregung für das Tagungsthema.

Über den Vortragenden:

Patrice Drai, ein Heil – und Duftpflanzengärtner, mit zwei anderen Teilhabern, tätig im „Les Jardins d'Altaïr“ in der Landschaft Périgord im Südwesten Frankreichs auf einer Fläche von drei Hektar seit 33 Jahren. Sie begannen im Oktober 1981, zunächst zu zweit, nun sind es 10 Personen die an diesem Ort arbeiten, produzieren und verkaufen.

Das Tätigkeitsfeld wurde auf zwei andere Pflanzen-produzenten erweitert, der eine befindet sich in der Region und ein anderer in den französischen Bergen.

Internetpräsenz der Gärtnerei: http://altair-plantes.com/quisommesnous/altair-perigord/

Die Erde - (m)ein globaler Garten?

Holger Coers

Mit dem diesjährigen Tagungsthema werden unmittelbar Fragen berührt, die mich seit längerem beschäftigen. Diese sind zunächst ein zärtliches Lebensgefühl. Es in Worte zu fassen, erweist sich im Detail als schwierig greifbar. Ein Formulierungsversuch:

Wie kann ich meine Liebe zur Erde, mein Staunen und meine gelegentlich auflodernde Dankbarkeit vertiefen?

Wie kann ich meine Aufmerksamkeit und Zuwendung, mein bewusstes Wahrnehmen und Reflektieren der Erde so zur Verfügung stellen, daß sie als eine individuelle Ganzheit in mir neu entstehen und zu einer deutlicheren Erfahrung ihres Geistigen werden kann?

Aus meiner Berufspraxis als Gärtner und Baumpfleger nährt sich eine erfahrungsgesättigte Überzeugung, daß eine sach-, situations-, und wesensgemäße Pflege Entwicklungspotentiale freisetzt und daß zugleich meine innere Einstellung einen entscheidenden Anteil an Erfolg oder Misslingen von Pflegemaßnahmen haben kann.

Diese praxiserprobte Überzeugung ist verbunden mit zwei Bedürfnissen:

a) vertieftes Verstehen und Eintauchen in die Zusammenhänge von menschlichem Tun und Be-Wirken in der Welt

b) bewusstere, wie liebeerfüllte Handhabe der eigenen Zuwendungsmöglichkeiten für "die Erde"

Den Inhalt meines Vortrages kann ich ihnen leichter erklären, wenn wir Erlebnisse teilen. Daher möchte ich Sie, alle Anwesenden, in einer gemeinsamen Meditation mitnehmen:

Versetzen Sie sich innerlich an einen realen Ort, mit dem Sie durch schöne Erlebnisse verbunden sind, egal ob Sie einmal dort waren oder bereits öfter. Versuchen Sie dort ganz präsent zu sein und alles in ihrer Erinnerung wahrzunehmen.

Im Verlassen des Ortes wenn möglich ihn mit den positiven Empfindungen beschenken.

- ca. 3-4 minütige Meditation - Vielen Dank!

Über ihre Erlebnisse können wir uns nicht austauschen und sicher gab es Schwierigkeiten bei dieser Übung, welche wir aber stehen lassen müssen. Aber bitte nutzen Sie später die Gelegenheiten über ihre Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Bewahren Sie Ihre Meditationseindrücke so gut es geht in ihrem wachen Innenraum! Ich möchte Sie auch sogleich "vorwarnen": wir werden gegen Ende meiner Darstellungsversuche noch einmal eine solche kurze (Fern)Reise unternehmen.

Meine anfangs formulierte Frage könnte auch wie folgt, gestellt werden:

Wie kann ich eine seelisch-geistige Haltung entwickeln und pflegen, welche die Erde tatsächlich als einen globalen Garten auffasst? Die Erde als mein persönliches Anliegen!?!

Hierzu sind folgende Fragen notwendig:

Was ist die Erde? Was ist ein Garten? Was heisst global?

Zur ersten:

Aus dem inneren Erlebnis ist die Erde weniger, die uns allen bekannte hübsche blaue Murmel/Kugel im Weltall, als viel mehr ein nicht ermessbarer Kosmos, bestehend auch aus den Bewusstseins-Welten und Lebenswirklichkeiten jedes Menschen, und von Menschengemeinschaften.Die Erde ist nicht nur ein räumliches, sondern ein überräumliches sehr komplexes Gebilde, etwas, das wie ein seelisch-geistiger Kosmos erscheinen kann. An der Wirklichkeit dieses Kosmos gestaltet jeder Mensch individuell und in Gemeinschaft mit anderen Menschen mit. Bewusst oder unbewusst.

Zur zweiten Frage:

Der Garten ist eine Ab-Sonderung, aus einem größeren Allgemeinen, ein be-sonderer, oft begrenzter Entwicklungsraum: Genesis (2,8): "...und Gott pflanzte einen Garten in Eden; dort hinein setzte er den Menschen."

Es ist der Raum mit einer besonderen liebeerfüllten, umhegenden und schützenden Zuwendung. Der Garten wurzelt in seinem Schöpfer; er lebt als Keim im seelisch-geistigen Innenraum des Gärtners, bevor er im Sinnlichen konkrete Gestalt annehmen kann und wird. Und natürlich wirkt dieser auch wieder auf ihn zurück. Der Garten wird zum Ausdruck der Intentionen und seelisch-geistigen Bezüge, in den der Mensch oder die Gruppe von Menschen lebt, die ihn bewirtschaftet.

Das Ausdehnen der Grenzen des seelischen Gartens beginnt mit einem um-fassenden Bejahen aller Erscheinungsweisen der Welt: Ich bin - nach meinen Kräften!- bereit mich berühren zu lassen nicht nur von Schönheit und Erhabenheit, sondern auch von Gewöhnlichem. Es gilt, sich der inneren Zensur bewusst zu werden, mit der wir der Welt dauernd begegnen und diese immer wieder absichtlich zu durchbrechen. Es geht also auch und gerade um die sinnlich-seelische Hinwendung und das Interesse zu Orten, denen wir mit Gleichgültigkeit oder Abscheu begegnen. Orte die unseren Taten entspringen.

Zur dritten Frage:

Das Globale liegt somit nicht in einer ohnehin unmöglichen räumlichen Omnipräsenz, womöglich mit medialer Hilfe (sei es technologisch oder übersinnlich), sondern in meiner wachsenden Fähigkeit zur akuten Präsenz, zur liebevollen lauschenden Wachheit "vor Ort"!

Denn alle nicht originär selbst gemachten (Sinnes-)Erfahrungen sind Abstraktionen!

Hinzu kommt aber, daß ich meditativ reflektierend, das von mir Erlebte und Wahrgenommene in Beziehung setze. Dadurch werde ich mir meines individuell-biographischen Globus bewusst und "erschaffe" ihn.

Erneute bitte ich alle Anwesenden in eine kurze Meditation zu gehen:

Hier nun möchte ich Sie, wie angekündigt, zu einem weiteren innerlichen Kurzausflug an einen Ort Ihres Lebens einladen. Diesmal wird es vermutlich etwas schwieriger:

Versetzen Sie sich an einen Ort, zu dem Sie kein besonderes emotionales Verhältnis haben, der ihnen aber durch häufigeres frequentieren bekannt ist: etwa eine Ampelkreuzung, an der Sie öfters stehen, ein Parkplatz oder eine Bahnsteig, auf dem sie manchmal stehen o.ä. und der zunächst auch nichts gartenhaftes auszeichnet. Versuchen Sie sich erneut ganz dorthin zu begeben und diesen Ort zu erinnern und ihn innerlich zu erleben. Was entdecken Sie dort? Was empfinden Sie? - ca. 3 bis 4 minütige Meditation - Vielen Dank! (Stimmung?!)

Sollte es ihnen während beiden Gedankenreisen gelungen sein, jeweils an einen Ort, und sei es auch nur kurz, angekommen zu sein, so haben Sie sich mit zwei Orten verbunden und Ihr Verhältnis zu diesen, wenngleich erinnernd, aktualisiert. Zudem stehen diese beiden Lokalitäten, die äußerlich vermutlich gar nichts miteinander zu tun hatten, nun durch Sie in dem bewussten Zusammenhang ihre wachen Seelenraumes.

Das alles sind keine neuen Vorgänge, das entscheidende ist, daß wir uns ihrer bewußt werden und sie beobachtend handhaben. Wir entwickeln seelisch-geistige Techniken und Fähigkeiten, wenn wir unser Erdeninteresse erweitern und erfahren wollen, welche Bedeutung unser liebevolle Hinwendung hat.

Als Menschen kann ich mich für alles interessieren. Ich kann Beziehungen aufbauen zu Orten, wie zu anderen Menschen. Was ist ein Mensch? Was ist ein Ort?

Beide haben sie vieles gemeinsam, nicht zuletzt, daß sie sich bei genauerem Betrachten nicht so eindeutig lokalisieren lassen, wie es anfänglich scheinen mochte. Das hat wohl damit zu tun, daß wenn ich von einem bestimmten Menschen, oder von einem bestimmten Ort oder einer Landschaft spreche, ich immer eine geistige Entität meine. Gibt es unwichtige Menschen? Gibt es unwichtige Orte? In der Regel verfahren wir mit Orten nach unserem Willen und ihrer scheinbaren Eignung. Wir benutzen sie auf die unterschiedlichsten Art und weisen; wir bebauen sie mir unseren Nahrungspflanzen und unseren Häusern, Straßen, Tempeln und Industrieanlagen. Wir graben und bohren uns in sie hinein, verbinden Abschnitte unserer Biographie mit der Ihren oder besuchen sie im Urlaub.

In diesem Sinne möchte ich Sie mit einem Forschungsauftrag betrauen. Ich schlage ihnen eine Übung vor, in die Sie ich allein oder gemeinsam mit anderen hineinbegeben können.

Der Auftrag lautet:

"Lerne einen Fremden kennen und entwickle eine intime Beziehung zu ihm"

Suchen Sie sich einen Platz oder Ort, der möglichst mit ihrer alltäglichen Umgebung in keiner Verbindung steht, der also außerhalb Ihres Betriebes, Hofes usw. liegt.

Suchen Sie sich so einen unspektakulären Ort oder lassen Sie sich von ihm finden, der außerhalb Ihrer normalen Verantwortung liegt, den Sie aber ohne allzu großen Aufwand gelegentlich immer wieder aufsuchen können.

Nehmen Sie ihn dann mit allen Sinnen und darüber hinaus war, lassen Sie sich auf ihn, auf seine aktuelle Erscheinung, seine Atmosphären usw. ein, so, als besuchten sie einen Menschen, der Sie interessiert und vergessen Sie ihn nicht, bleiben Sie ihm treu und räumen Sie ihm einen festen Platz in ihrem reflexiv-meditativen Leben ein.

Erinnern Sie sich z.B.: Wie war es dort bei meinem letzten Besuch? Wie mag es ihm jetzt wohl gehen? Was erwartet mich, wenn ich ihn heute wieder aufsuchen werde? usw.

Beobachten Sie mit Geduld alle Veränderungen und Wechselwirkungen, die sich in ihrem Verhältnis zu dem Ort einstellen, aber insbesondere auch, ob und wie sich Ihre Auffassung von Bergriffen wie Landwirtschaftliche Individualität und Landschaftsorganismus oder gar Erdorganismus dadurch verändern.

Zitat aus Hans-Christian Zehnter "Erde wird Mensch" (Das Goetheanum Nr.51-52, 2015):

" Wahre Globalität beruht auf der schauend-schaffenden Umarbeitung unserer alltäglichen, gegenständlichen Wirklichkeit in eine sinnlich-übersinnliche. Sie ist die Pflege dieses Leibes (der Leib Erde als Leib Christi, Amnerk.: H. Coers) und wird uns zur Nahrung unserer eigenen geistigen Existenz."

Mögen Sie alle wohlbehalten an ihre Wirkensorte auf dem Globus zurückkehren, die sie bitte sehr herzlich von mir grüßen!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Mitwirken!

Gemüseproduktion für den Handel

Berichte der dialogischen Workshops und Seminare

Bericht vom Workshop Nr. 3 / Stadtgärten in Slums

mit Antonio Latucca & Simon Blaser

Der Workshop ging über drei Tage – Do. bis Sa. jeweils von 10.30 bis 12.15 Uhr.

Antonio berichtete mit Hilfe einer Präsentation am Do. u. Fr. ausführlich zum Entstehen und Werden der Stadtgärten in Rosario / Argentinien.

Der wirtschaftlichen Zusammenbruch Argentiniens in 2001 nach einem Jahrzehnt neoliberaler Bewirtschaftung nach Vorgaben des IWF, hatte zur Folge, dass es bis in die Mittelständische Bevölkerung hinein zu ausgeprägter Armut kam, was auch eine hohe Anzahl von Menschen in der Bevölkerung in den Hunger führte.

Im allgemeinen Chaos ergriffen Antonio - als angestellter Mitarbeiter der Stadt Rosario - und Kollegen mit ihrer NGO (CEPAR - Centro de Estudios de Producciones Agroecológicas) die Gelegenheit, die schon früher aufgebaute Bewegung für urbane Landwirtschaft in die öffentliche Sozialpolitik der Stadt zu integrieren und im Stadtgebiet Flächen frei zu machen zur gärtnerischen Nutzung (Gemüseanbau). Diese wurden Einzelpersonen und Familien zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt.

Diese Flächen waren z. T. Ödländereien, Seitenstreifen entlang von Autostraßen und Eisenbahn, unbebaute Parzellen, ehemalige Mülldeponien etc. In der Bevölkerung gab es zu der Zeit noch einen hohen Anteil von Menschen, die einen ländlichen Hintergrund hatten, daher noch eine Beziehung und Kenntnisse mitbrachten, wie man Ackerflächen und Gärten betreiben kann, sie waren deshalb verhältnismäßig schnell erfolgreich im Gemüseanbau. Um diese ganze Szene herum entwickelten sich weitere wichtige Bereiche und Initiativen:

  • Maßnahmen zur Beschaffung von Düngestoffen und deren Aufbereitung,

  • Herstellung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit,

  • Beschaffung und Vermehrung von Saatgut,

  • Ernährungs- und Kochkurse

  • Unterstützung bei der Vermarktung von überschüssigem Gemüse und Früchten an die Stadtbevölkerung, die nicht selber anbauen kann, die Produkte letztlich aber auch dringend braucht,

  • Jede Menge Kurse zur Wissensvermittlung, Entwicklung von Hilfsmitteln und Einrichtungen mit einfachsten Mitteln, z.B. Herstellung von Bodenbearbeitungsgeräten etc.

Voraussetzung für die Entstehung und Weiterentwicklung der Gesamtinitiative war ein hohes Maß an politischer Arbeit und Einflussnahme und die Entwicklung eines positiven Klimas in der Stadt(Verwaltung) von Rosario, sowie in den weniger betroffenen Bevölkerungsschichten.

Die Situation heute:

- es werden heute in der oben beschriebenen Art rund 25 ha Land bewirtschaftet. Weitere 40 ha stehen zur Verfügung, um ergriffen zu werden.

- Es bedarf nach wie vor eines hohen Einsatzes von Interesse und Initiative um das ganze Geschehen permanent weiter zu entwickeln und zu pflegen. Außerdem müssen immer wieder auch Finanzmittel erarbeitet werden, die Weiterentwicklung zu ermöglichen.

- Die Stadtverwaltung von Rosario unterhält für diese Arbeit eine Abteilung

von fünf Mitarbeitern.

- Es gibt eine Rechtsform(Verein) für die Gesamtinitiative, in der u.a. in einer Satzung geregelt ist, unter welchen Bedingungen Flächen vergeben werden und welche Bewirtschaftungskriterien eingehalten werden müssen (organischer Anbau, dem weltweiten Biostandard entsprechend).

Durch die vielen Jahre des Bestehens des „Programa de agricultura urbana“ ist es durch den Verkauf der Produkte aus den Armenvierteln in den wohlhabenderen Stadteilen zu einer Art “Sozialen Vertrauensbildung“ gekommen. Die bewusst sauber und ansprechend hergerichteten Produkten werde auf Straßen- / Wochenmärkten verkauft. Die Kundschaft weiss, woher das Gemüse kommt, schätzt es und ist sich der Wirkung dieser Art des Einkaufes bewusst.

Antonio Latucca ist heute 65 Jahre alt. Er ist seit 40 Jahren mit der Anthroposophie verbunden und handelt u.a. auch aus diesen Grundmotiven heraus.

Ich hatte den Eindruck, dass er bis heute intensiv für die oben geschilderte Arbeit „brennt“ und für diese Arbeit weit in die Zukunft denkt.

Simon Blaser hatte mit Antonio in Rosario /Argentinien diesen Workshop vorbereitet. Er hat uns am dritten Tag unserer Zusammenkunft dann in Form einer spontanen Theaterinstallation aus der Situation der Wahrnehmenden und Staunenden in den Stand des Miterlebendenden und Mitdenkenden transferiert.

Vielen Dank unseren beiden Vortragenden für diese eindrücklichen Stunden.

Weiteres findet man unter folgenden Internetverbindungen:

http://www.fao.org/ag/agp/greenercities/en/GGCLAC/rosario.html

www.agriurbanarosario.com.ar

Huertos Urbanos en Rosario Argentina (1ª parte) bis parte 4

Programa de agricultura urbana - Rosario

und weitere youtube-Filme,

oder man gibt ein: Antonio Latucca - Rosario

Für den Bericht: Simon Blaser und J.-U. Klee

Pädagogik und Garten

Linda Jolly, Peter Lange, Derk Klein Bramel

Der ausgebuchte Workshop zeigt deutlich, welch ein grosser Bedarf nach Austausch im Bereich der gärtnerischen Pädagogik vorhanden ist. Sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern. Als Auftakt für die Gruppenarbeit galt der Vortrag von Peter Lange über den Garten: Innen und Aussen. Wie kann der Lehrer mehr Gärtner und der Gärtner mehr Lehrer werden? Angeregt durch die Frage brachten die Teilnehmer ihre eigene Anliegen in die kleine Gruppe. Es ermöglicht das eigene Thema von sich selbst zu lösen und es mit den Anderen zu besprechen. Wie Samen (die Anliegen) säen und beobachten was passiert. Man wird zum Schüler in der Gruppenarbeit. Wichtig hierbei in erster Linie ist, staunen dem Ganzen entgegen zu bringen. Dies ist ein Schlüssel, um daran zu arbeiten bevor sich die Gedanken in konkrete Vorschläge verwandeln. Bestenfalls findet der Schüler selbst seine Antwort und diese wurden wie folgt formuliert:

Ich nehme mir vor mehr Zeit zu nehmen für die Kinder, um sie besser wahrnehmen zu können.

Ich bin froh mit meiner Umbruchphase.

Durch das Komspostbild kann ich sehen, dass etwas fruchtbares daraus kommen kann.

Wenn man etwas auf den Kompost bringt, verschwindet es nicht.

Diese dialogische Workshoparbeit kann auch im Gartenbauunterricht wichtig sein.

Wie können wir wisscheschaftlichen Unterricht für die Kinder machen?

Ich habe ziemlich stark erfahren das man das selber machen soll: Sich Selbst zu werden.

Authentizität ist sehr wichtig.

Ich möchte die Hektik auf dem Kompost bringen und mehr Stauen über all das Lebendige.

Ich will die Schönheit sehen und erfahren. Mein Interesse für das Kompostbild ist geweckt.

Ich habe diese Arbeisgruppe erfahren, als das Arbeiten mit den Hände im Kompost und dann den Kompost erfahren und riechen.

Ich will das weibliche Element im Hof bringen und damit die Hektik reduzieren.

Unterlegt wurd die ganze Arbeit mit Gartenfotos von Peter Lange wie zum Beispiel junge Mädchen wie sie vor blühenden Rosen jähten und selbst Rosenblüten in ihre Haare gesteckt haben. Mit dem Titel: „Gärtnern macht schöner.Ganz sicher“.

Zu dem lagen Buchempfehlungen aus: Der Gartenbauunterricht an der Waldorfschule, Pädagogischer Gartenbau Band 1-6, Gärten der Zukunft

www.livinglearning.org

pgbschulgarten.blogspot.ch

www.kleinbramel.nl

Gesundes Wachstum

Klaus Wais, Änder Schanck, Clemens Gabriel

Geprägt waren die drei Treffen von einer kritischen Haltung gegenüber dem Phänomen des Wirtschaftswachstums, und dem Wunsch, sich diesem zu entziehen, wie es z. B. bei den Modellen solidarischer Landwirtschaft geschieht. Denn wie steht der einzelne heute in der Wirtschaft? Als Konkurrent oder in Kooperation? Unterirdisch mit dem riesigen Netzwerk verbunden und doch als Einzelner dann existentiell betroffen.

Wachstum, so wurde es dargestellt, geschieht in einem Strom aus der Vergangenheit, und aus der Zukunft treten hemmende Effekte auf, so wie begrenzte Ressourcen, Grenzen des Wachstums. Begriffe wie dieser oder „der Zwang zum Wachstum“, „Wachstum ohne Egoismus“, verdeutlichten für mich, daß es sich um eine typisch europäische Diskussion handelte, in die ich da geraten war. Einer jungen, unbekümmerten, noch von Pioniergeist und vom Calvinismus geprägten Kultur wie der amerikanischen, sind solche Gedanken und auch moralische Einschränkungen fremd. Begrenzungen werden nicht akzeptiert, wirtschaftlicher Erfolg ist die Selbstverwirklichung (Andy Warhol: business art)und ein Zeichen, von Gott geliebt zu sein, und Schwierigkeiten werden nicht grundsätzlich hinterfragt, sondern als persönliches Schicksal hingenommen. Demgegenüber leidet Wachstum in Europa an Vergreisungserscheinungen wie einer erdrückenden Steuerbelastung, einer überbordenden Bürokratie mit endlosen Regelungen, die jeden Einzelfall erfassen wollen. Das kennen wir nur zu gut.

So stand dann das Bild des urpersischen Gartens vor uns, das Christine Gruwez in einem eröffnenden Vortrag tagszuvor entworfen hatte: Der Garten hat in der Mitte die Quelle des Wassers, woraus vier Ströme fließen, die das Leben spenden, und das Wachstum in diesem Garten ist Leben, Kultur und zugleich Kultus, weil es in einem Zusammenhang steht und zur Verwandlung, Transformation, weitergeführt wird. Der ganze Garten ist auch begrenzt von einer Mauer, oder umfriedet, und außen ist Wüste. Obwohl durchaus auch außerhalb der Gartenmauer etwas wächst, bezeichnete man dies als Wüste, weil es Wachstum ohne diesen Zusammenhang, ohne diese Verbindung, dieses im Verhältnis stehen, ohne Gestaltung und Verwandlungsfähigkeit ist, eben ein Wildwuchs, oder für unsere Fragestellung, kein gesundes Wachstum. Der Verlust der Zusammenhänge führt zur Unwahrhaftigkeit.

Und immer wieder nahmen wir Anleihen am Bild des Pflanzenwachstums, so z. B. die im dunklen Keller treibende Kartoffel, die ohne das Regulativ des reifenden Sonnenlichts endlose Triebe bildet. Oder wie die wachstumsfreie Zeit des Winters uns zeigt, daß Wachstum auch Ruhe und Reflexion braucht.

Die modernen arbeitsteiligen Systeme verschärfen das Problem des schwindenden Zusammenhalts, wenn einzelne Teilbereiche ungeregelt wachsen und zu Verwerfungen auf den Märkten führen.

So entstanden immer mehr Fragen, wie die Zusammenhänge zu handhaben sind, wie die Instrumente zur Reifung und Verwandlung des Wachstums aussehen können, nach der Qualität der Reifeprozesse, woher die Reifeprozesse kommen, aus dem Geistesleben etwa, wie Wachstum sich an Umwelt und ins soziale Gefüge ( das ist ohne Ausbeutung) einfügen läßt. Daß die Einrichtung von Assoziationen mit ihren Agenten durch Steiner so ein Regulationsorgan sein könne. Oder wie gehen wir damit um, daß immer mehr Geld den Mittelstand verläßt und sich bei wenigen Reichen ansammelt? Auch eine Vergreisungserscheinung.

Ein Blick in die Geschichte der Hochkulturen zeigte ein dynamisches Geschehen von Wachstum und Absterben, Verschwinden von Kulturen, ähnlich einem Atmungsprozess, oder wie Punkt und Kreis, denn, wie ein Teilnehmer bemerkte, es wächst etwas Junges nach, oder ein zunächst abgelehnter Wachstumsschritt auf einem Hof führt zu Arbeitserleichterung und verbesserter Qualität. Auf unserer Tafel drängte sich die Gleichzeitigkeit von zahlreichen Wachstumskurven in ihrem Auf und Ab und unsere Gedanken gewannen zunehmend Dschungelcharakter.

Gibt es Visionen?

Immer mehr Menschen spüren die Schicksals- und Verantwortungsgemeinschaft im Wirtschaftlichen, das wird auch am starken zivilgesellschaftlichen Engagement weltweit deutlich. Aus globaler Wahrnehmung und weltweiten Gedankenspielen wurden wir zurückgeführt zum Einzelnen mit seinem individuellem Ansatz, mit der Erwartungshaltung, die mit einem Hofkauf verbunden sein kann, oder wie es Ola Aukrust aus Norwegen am Morgen sagte: „ Nimm Deinen Platz ernst“. Nun, diese Betonung des individuellen Ansatzes liegt auch einer Ethik der Verantwortung zugrunde, z. B. bei Schiller, und bietet Lösungen für Einzel-Unternehmerisches Handeln. Politische oder Ingenieur- geprägte Menschen sind damit jedoch nicht zufrieden, sie suchen nach allgemeingültigen Konzepten, und so ging die Suche in unserer Gruppe weiter, nach Instrumenten z. B., die den Einzelnen in seinen Wachstumsinitiativen und –Gestaltungen unterstützen können, die helfen können, neuhinzukommende Menschen einzubinden, zu beteiligen und zu integrieren, und die Suche nach Zukunftsbildern, wie wir uns dafür öffnen, Platz machen können, um an dem Neuen Garten, an der Neuen Stadt zu bauen.

Diese wichtigen Fragen blieben unbearbeitet, weil eine externe Moderatorin diese Dynamik nicht aufgriff und das Gespräch anders weiterführte, und so zeigte sich wieder einmal, Fragen sind wirksamer als Antworten, indem sie uns noch länger begleiten können.

Text: Engelhard Troll

Permakultur und Biodynamik

Uli Johannes König, Forschungsring e.V., Darmstadt; Beat Rölli, Jörg Matthes

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Permakultur und dem Biodynamischen?

Was ist überhaupt genau Permakultur?

Warum sind es zwei parallele Strömungen mit wenig gegenseitigem Interesse?

Solche grundlegenden Fragen, aber auch ganz praktische Bedenken wie „ist Permakultur wirtschaftlich zu betreiben?“ oder „kann Permakultur die Welt ernähren?“ standen zu Beginn des Workshops mit Beat Rölli und Jörg Matthes im Raum. Fängt jetzt die große Auseinandersetzung an, der Versuch, den eigenen Standpunkt dogmatisch zu verteidigen?

Weit gefehlt! Es begann ein echter Dialog zwischen zwei interessanten Strömungen, die beide Stärken und aber auch Schwächen darleben. Schnell kristallisierte sich heraus, wir arbeiten an einem gemeinsamen Ideal: der landwirtschaftliche oder gärtnerische Betrieb als Organismus, mehr oder weniger deutlich geschlossen, den Menschen und die Natur gleichermaßen berücksichtigend. Nur, wie lässt sich dieses Ideal in der Praxis umsetzen? Zu wie vielen Kompromissen sind wir bereit, weil sie die Sache fordert oder weil wir noch keinen Weg gefunden haben, das Ideal Realität werden zu lassen? Ist der kleine Permakultur-Selbstversorgungsgarten die Lösung? Ist biodynamische Landwirtschaft nur noch im spezialisierten Großbetrieb wirtschaftlich umsetzbar? Oder gibt es eine Mitte und wo liegt sie – individualisiert auf die jeweiligen sozialen Bedingungen?

Kaum öffnet man sich solchen Fragestellungen, werden weitere Aspekte offenbar, die nach einer Lösung rufen. Wie sieht es mit den Nutztieren in solch einem von der Permakultur-Idee befruchteten Ansatz des Biodynamischen aus, besonders wenn der Betrieb von einer vegetarisch-veganen Gemeinschaft geführt wird? Wie kann eine Tierhaltung „ohne Verzehr“ aussehen? Wie gehe ich dann richtig mit dem vielleicht dennoch notwendigen Töten der Tiere um? Welche Tierarten und wie viele Tiere benötigt denn mein Betrieb konkret, um sich gesund zu entwickeln? Wie sieht es mit dieser durch R. Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs angeregten Fragestellung konkret aus?

Natürlich stand auch das Thema der Bodenfruchtbarkeit im Zentrum der Diskussion. Da hat Permakultur einiges zu bieten: Mischkultur, Mulchverfahren, Dauerbegrünung, um nur einige Elemente zu nennen. Auch hier stellte sich die Frage: ist das nur für die Gartenbau-Dimension geeignet? Wie sehen solche Konzepte aus, wenn sie konsequent in landwirtschaftlichen Maßstäben umgesetzt werden? Ja und überhaupt, könnte der positive Effekt dieser pflanzenbaulichen Maßnahmen nicht noch deutlich gesteigert werden, wenn die biodynamischen Präparate intensiv eingesetzt werden würden, begleitet von einer extensiven Tierhaltung?

Das gegenseitige Interesse stieg im Verlauf der drei Sitzungen. Es scheint, dass aus der flüchtigen Bekanntschaft am Anfang eine Partnerschaft entstehen möchte. Lassen sich einfach Elemente aus beiden Richtungen kopieren, um die eigene Methode zu ergänzen? Die Erfahrung zeigt: eher nicht! Aber es lässt sich vielleicht ein gemeinsames Drittes entwickeln, wo diese Elemente nicht nur in ein bestehendes Verfahren integriert werden, sondern wo aus einem inneren, spirituellen Verständnis heraus eine neue landwirtschaftliche oder gärtnerische Individualität entwickelt wird.

Vielleicht steht damit ein Paradigmenwechsel für den biodynamischen Anbau bevor – nicht ein prinzipieller, sondern einer des „sowohl - als auch“: eine traditionelle großmaßstäbliche biodynamische Land- und Gartenbaukultur, die den anonymen biodynamischen Markt versorgt und dazu parallel eine Bewegung einzelner Landwirtschaftsgemeinschaften, getragen durch ein soziales Umfeld, in denen die Qualitäten der Permakultur und des Biodynamischen miteinander verschmelzen.

Nur eine Vision? Ich denke nicht! Das zeigt das Teilnehmerspektrum: viele junge Interessierte, einige Kleinkind- und Schulpädagogen, und nicht zuletzt Kollegen, die schon auf dem Weg sind. Bei der Aufgabe am Ende, den ganzen Workshop in einem Wort zusammen zu fassen, fielen Begriffe wie: Mut, Prozess, Offenheit, Wahrnehmung, Liebe. Ich glaube, man kann mit Recht sagen: ein Zukunftsworkshop!

Für Ideen, Austausch und Anregungen sind wir gerne offen: koenig(AT)forschungsring.de

Workshop «Heilpflanzengarten»

Isabelle Drai, Patrice Drai, Michaela Spaar und Ola Aukrust (Moderator)

So wie ein Heilpflanzengarten sich auszeichnet durch eine lebendige Vielfalt an unterschiedlich gestalteten Beeten mit duftenden und farbenprächtigen Kräutern und Blumen fächerte sich dieser Workshop in verschiedene, anregende Themenbereiche auf. Der Bogen spannte sich von rein praktischen Fragen wie zum Heilpflanzenanbau, zur Ernte, zum Trocknen und Lagern von Kräutern bis hin zu konkreten spirituellen Erfahrungen mit der Natur und den Pflanzenwesen. Im Plenum und in Gruppengesprächen wurden Fragen bewegt wie: Welche Voraussetzungen und Grundlagen braucht es, um einen Heilpflanzengarten anzulegen? Habe ich ein Zukunftsbild, eine Vision davon? Welche Beziehungen bekomme ich als Mensch, als Gärtner zur Erde? Wie kann eine innere Beziehung zum Pflanzenwesen geschaffen werden? Welche Rolle spielt der Gärtner zwischen Garten und Pflanzenwelt? Wie kann ich als Gärtner auf die Pflanzen heilend wirken?

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe war die Präsentation zweier Heilpflanzenprojekte in Frankreich. Isabelle und Patrice Drai stellten ihre in der Dordogne beheimatete Firma Altaïr vor. Sie berichteten aus ihrer 35-jährigen Erfahrung mit Tee- und Küchenkräutern. In zahlreichen mehrjährigen Experimenten konnte Patrice Drai feststellen, wie sich die in Kultur genommenen Heilpflanzen durch die Anwendung der biodynamischen Präparate und durch den bewussten Einbezug der kosmischen Einflüsse in Wuchs, Farbe, Duft und Qualität veränderten. Besonders eindrücklich war von ihm zu erfahren, wie ein meditativer Austausch mit den Pflanzen, indem er sich beim Aussäen innerlich ganz auf das zukünftige Bild, auf den metamorphosierenden Entwicklungsprozess der Pflanze – vom Samen bis zur Blüte – konzentrierte, eine vom feinstofflichen bis ins physisch sichtbare Veränderung bewirkte: Die Pflanzen wurden vitaler, kräftiger, lebensvoller. Für Patrice Drai könnte dies eine Möglichkeit sein, die Kulturpflanzen, die inzwischen gegenüber den Wildpflanzen an Vitalität verloren haben, zu stärken und mit seelisch-geistiger Qualität zu erfüllen.

Während Isabelle und Patrice Drai auf eine langjährige Tätigkeit zurückblicken, befindet sich das in der Franche-Comté beheimatete Heilpflanzenprojekt «Jardin de la Rouchotte» von Michaela Spaar in der Startphase. Der geplante öffentlich zugängliche Schau- und Nutzgarten bildet einen wirtschaftlich selbstständigen Teil des im Aufbau befindlichen sozialen und nachhaltigen Gesamtprojektes «Moulin de la Rouchotte». Dessen Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Jugendliche und Erwachsene in Problemsituationen, eine Auszeit und neue Lebensorientierung finden können. Somit soll der Heilpflanzengarten einerseits der Begegnung und Erholung dienen, andererseits der Vermittlung von Wissen und Kenntnisse rund um die Heilpflanzen, die Teil eines reichen Kulturerbes und eines in Europa tief verankerten Heilimpulses sind.

Einen lebendigen Abschluss bildete die «Tee-Degustation» am dritten Tag. Sie bot den Teilnehmenden die Gelegenheit sich auszutauschen, insbesondere auch über den Vorschlag von Ola Aukrust, eine Fachgruppe „Kräuter und Heilpflanzen“ in der Sektion für Landwirtschaft zu bilden.

Leben mit dem Garten – mein Gespräch mit der Natur

Ruth Richter, Holger Coers, Moderatorin Brigitte von Wistinghausen.

Donnerstag, 04.02:

Ruth Richter führte in das Thema des Workshops ein, indem sie zwei Bilder skizzierte:

Archäologische Feldforschungen in Harapa am Indus (Indien) lassen das Bild einer auf der Grundlage aquatischer Gartenkultur im umfänglichen Sinne reichen Gesellschaft entstehen: Bei aller Schönheit der gärtnerisch gestalteten Siedlungslandschaft und ihrer Architektur, finden sich keine Hinweise auf Paläste und Prachtbauten, was die Vermutung nahe legt, dass das Zusammenleben ohne hierarchische Strukturen auszukommen schien, vielmehr einem glücklichen Miteinander von Gleichen unter Gleichen entsprach. Ein paradiesisch anmutendes Bild.

Dies verband Ruth Richter mit dem von Steiner in seinem Vortrag „Was tut der Engel in unserem Astralleib“ formulierten Ideal menschlicher Zukunft: Niemand soll mehr Ruhe haben im Genuss von Glück, wenn andere neben ihm unglücklich sind. Es sei aber nun in die Freiheit des Menschen gestellt, so Steiner, ob er die von den Hierarchien gewollte Entwicklung verschlafe und diese unbewusst ihn ihm fortschreitend zur Entwicklung von Instinkten führe, oder ob er erwache für die bilderschaffende Tätigkeit der Engel. in seiner Seele. Geschehe dies, so könne der Mensch aus eigenem Antrieb an der Menschheitsentwicklung tätig werden: Indem er die Bilder nachschaffe, bilde er in sich die Kräfte aus, das Götterideal selbst umzusetzen. Durch diese Aktivität einzelner Individuen werde das Bild des sozialen Friedens auf gesellschaftlicher Ebene Realität. Dieses menschliche Erringen sei verbunden mit wachsender Freiheit und Bewusstheit des Menschen und sei zugleich für die weitere Fortentwicklung der Hierarchien von zentraler Bedeutung.

Die Tätigkeit im Garten, zumal wenn er nicht primär als Produktionsstätte diene, sei in der Sinneswelt ein Symbol für die geschilderte Aktivität, da sie den eigenen Leib und gleichzeitig seine Umgebung verwandle. Indem der Mensch für einen lauschend-wahrnehmenden Umgang mit der Natur, dem Ort, wie auch mit sich selbst erwacht und die Intentionen für seine Arbeit nicht nur aus sich selbst schöpft sondern mit dem in der Welt Wahrgenommenen verbindet, gestaltet er im ökologischen Sinn die ganze Erde um.

Zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch der Teilnehmer ging es anschliessend in’s World Cafe (drei Tischgruppen à ca. 6 Teilnehmer) mit drei aufeinander aufbauenden Fragen:

  1. Was ist mein erstes oder wichtigstes Erlebnis mit dem Garten?

  2. Welche Bedingungen und Impulse beeinflussen derzeit meine Arbeit mit dem Garten?

  3. Welche Impulse möchte ich in meinem Umgang mit dem Garten zukünftig verwirklichen?

Freitag, 05.02.:

Nach einem Rückblick auf das World-Cafe vom Vortag suchten wir am zweiten Workshop-Tag das Gespräch mit der Natur in aufeinander aufbauenden Wahrnehmungsübungen. Diese umfassten jeweils 10 bis 15 Minuten des stillen Beobachtens mit einer bestimmten Fragestellung und den anschließenden Austausch in der Runde aller Teilnehmer.

- Die erste Übung bestand darin das Licht zu beobachten, als ein aus menschlicher Sicht intentionsloses und zugleich sehr umfassendes Naturgeschehen.

- In der zweiten Übung ging es um die Frage, ob und an welchen Erscheinungen man an der kleinen, mit Quittenbäumen bestandenen Wiese westlich neben dem Glashaus (welche?) menschlichen Intentionen „beobachten“ oder ablesen kann?

- In einem dritten Schritt sollte die distanzierte Haltung des außenstehenden Beobachters aufgegeben werden zu Gunsten eines mehr empathischen Empfindens: Wie nimmst du die aktuelle Lebenssituation der Wiese mit den Bäumen in dir wahr?

Samstag, 06.02..

Am dritten Workshoptag wurde anfänglich geäußert, dass der abschließende Austausch über die letzte Übung zu sehr konträr erscheinenden Einschätzungen der Lebenssituation des Ortes neben dem Glashaus geführt habe. Ein Hauptgrund wurde in der recht allgemeinen Fragestellung gesehen: Diese lasse unterschiedliche Blickrichtungen zu, etwa ob man mehr den Ort als Ganzes, evtl. im Verhältnis zu seiner Umgebung in den Blick nehme, oder vor allem auf die Bäume schaue. Die wahrgenommenen Antworten sind durch die individuellen Fragen geprägt. Zudem kam die Notwendigkeit zur Sprache, sich die je eigene „inneren Gestimmtheit“, die persönlichen Erfahrungen und Intentionen bewusst zu machen! Es gelte darauf aufmerksam zu werden, dass diese wie eine Brille unseren Blick auf die Welt mitbestimmten. Hilfreich sei dabei der gegenseitige Austausch über das Wahrgenommene, der die Einseitigkeit des eigenen Blickes offenbar macht. Unterschiede in der Beschreibung sind bereichernde Facetten des Dialoges im gemeinsamen Bemühen mit dem jeweiligen Ort, bzw. der Natur ins Gespräch zu kommen.

Dieses wurde dann in einem weiteren Schritt praktisch weitergeführt, indem wir auf der kleinen Quittenwiese neben dem Glashaus nach kurzer Anleitung durch Holger einige einfache Pflegemaßnahmen ausführten: Das Freilegen von Stammfuß oder –basis der Quittenbäumchen von Gras- und Krautwuchs mit Handhäckchen, sowie Borkenpflege, das heisst: das Entfernen von Moospolstern, alter Borke und Efeuranken an den Stämmen mit Hilfe von Esslöffeln. Das in gemeinsamer Anstrengung erreichte Ergebnis wurde in seiner Wirkung wahrgenommen und im Gespräch vor Ort reflektiert.

Übereinstimmend wurde von allen das Arbeiten als wohltuend für den Ort, die Bäume und die Tätigen empfunden. Unterschiedlich war die Einschätzung der Bedeutung des Tuns: Während viele Teilnehmer die Pflege als eine wichtige, verlebendigende Maßnahme erlebten, erachteten andere vor allem die aufmerksame Zuwendung für die Bäume als wichtig. Die Pflege sei mehr ein „Vehikel“ für diese Zuwendung und das Erlebnis befriedigender Tätigkeit ein Gegengeschenk der Bäume an den Menschen.

Was haben die TeilnehmerInnen im Workshop erlebt? Er habe eine ähnliche Entwicklung genommen wie die gesamte Konferenz: Einleitend sei das Individuelle in grosse Zusammenhänge gestellt worden. Anschliessend sei über Bildhaftes, das seelisches Erleben angeregt hat, bis zur ‚Substanzverwandlung’ durch eigenes Tätig-Werden geführt worden. Es sei spürbar geworden, dass wir Menschen gebraucht werden, um die Erde weiter zu entwickeln. Mit der Einleitung sei ein Raum geschaffen worden, um sich intensiv für das Lauschen auf die unbekannte Sprache der Natur zu öffnen. Auch wenn die Beobachtungsaufgaben zunächst zu einem undifferenzierten Empfinden geführt hätten, sei es im Gespräch zu einer Konturierung des Innenerlebens gekommen. Es wurde die Möglichkeit erfahren, dieses zu einem persönlich anwendbaren Instrument zur Wahrnehmung dessen umzubilden, was an einem Ort lebt.

Therapeutischer Spaziergang im Goetheanum Gartenpark

Sonja Schürger, Rachel Schneider, Steffen Schneider

Welch eine Bindung das Gärtnern oder das Landwirtschaften aufbauen kann, um den Zusammenhang zwischen Natur und seiner eigener Biografie zu erleben, wurde in diesem Workshop erarbeitet. Als Einleitung gaben die Kursleiter einen Einblick in ihre Berufserfahrung. Rachel Schneider schildert unter anderem wie Menschen in extrem Situationen von der gärtnerischen Arbeit profitieren können. Zum Beispiel Gefangene in einem Gefängnis, die im Gärtnern eine erfüllende Beschäftigung gefunden haben – die Umstände zwingen sie erfinderisch bei dem Thema Messer zu werden; es wird zum Beispiel Zahnseide verwendet, um Stecklinge zu schneiden. Bei Entlassung sind Gartengemeinschaften meist ihre ersten Anlaufstellen in der Gesellschaft.

Sonja Schürger dagegen erweitert den Blick, indem sie darstellt wie eine auf die Landschaft bezogene, vielfältig anregende Gestaltung des Gartenparks (16ha) der Klinik Havelhöhe zur Genesung der Patienten beitragen kann1. Gartentherapie gehört inzwischen auch zum Angebot der Psychosomatischen Station, wovon vor allem junge Menschen in seelischen Krisen profitieren. Die sinnlichen und seelischen Erfahrungen im gärtnerischen Tun als auch die Wahrnehmung der sich wandelnden Gartenlandschaft ermöglichen eine tiefere Selbsterfahrung, was maßgeblich Rehabilitation und soziale Integration fördert.

Damit sich Jugendliche mit posttraumatischen Belastungen über eine längere Zeit stabilisieren können, wurde 2013 Mäander gegründet, eine Therapeutische Wohngemeinschaft im Havelland bei Potsdam, wo Jugendliche ab 14 J. gemeinsam leben, gärtnern und kochen, neben weiteren Therapieangeboten.

Durch die erlebnisintensiven Referate wurden die Teilnehmer angeregt, die Wirksamkeit eigener Naturerlebnisse in der Biografie, als auch die Resonanz zu eigenen Impulsen aufzuspüren. In den Gruppengesprächen wird die Vielzahl an Wirkungen deutlich: im konkreten Tun an der Erde wird der Wille wacher, aufmerksamer, andererseits das Denken beweglicher, bildhafter mit dem sinnlichen Erleben verbunden. Zur Vertiefung der Frage, wie man bemerkt, dass etwas stimmig ist und welche Hindernisse dabei auftreten, gingen je zwei auf einen Dialog-Spaziergang durch den Goetheanum Gartenpark. Die wechselnde Landschaftsaussicht und Naturbeobachtung während des Laufens trägt zum Verarbeitungsprozess bei und ist Teil des „therapeutischen Spaziergangs“.

Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie morgens mit einem Plan in den Garten gehen kann, aber dann etwas ganz anderes tut, und dennoch das Gefühl hat, dass es stimmt, sich gerade dann im Einklang mit der Natur erlebt. Es kann aber auch hilfreich sein, zunächst konzentriert wahrzunehmen, wie sich der Garten heute zeigt.

Im Abschlussgespräch wurde das grosse Potential der Gartenkultur als Therapeut deutlich und man ist zuversichtlich, dass das Interesse an diesem Thema grösser wird.

Weitere Informationen:

www.instituteformindfulagriculture.org

www.hawthornevalleyfarm.org

www.maeander-ggmbh.de

www.havelhoehe.de

1 siehe Artikel „Gesundwerden in heilender Landschaft“ in Stadt + Grün, H. 10/2014.

Ernährung aus dem globalen Garten

Judith Schake, Dr. Jasmin Peschke, Klaus Loehr-Petersen


Alle Menschen ernähren sich. Da gibt es keine Ausnahme. Zunehmend kommen Lebensmittel aus immer ferneren Gegenden der Erde. Die Zusammenarbeit und das Verantwortungsgefühl dagegen globalisieren sich nicht in demselben Masse. Sehen wir die Welt jedoch als Garten an und folgen wir dem Prinzip des Gartens, nämlich dem Entstehen von Beziehungen in einem kultivierten Raum, dann ist das die Lösung für ein umfassendes Bewusstsein, das der Globalisierung auf der ökonomischen Seite Paroli bieten kann.
Im Workshop wurde auch herausgearbeitet, dass ein globaler Aspekt die Sicht ist, die über das Materielle hinausgeht. Denn „global“ bedeutet: alles umfassend, die Erde und den Kosmos betreffend. Es geht also nicht nur darum, welche Lebensmittel und Nährstoffe wir zu uns nehmen, wie sie erzeugt wurden und woher sie kommen. Sondern darum, was uns wirklich im umfassenden Sinne ernährt. Allen Teilnehmern wurde deutlich, dass Ernährung bereits mit der Freude an der Schönheit einer Pflanze, Landschaft oder an der Ästhetik der Präsentation einer Mahlzeit anfängt. Zur Ernährung gehört auch das praktische Tun, in welcher Haltung gehe ich mit den Nahrungsmitteln um, wie gestalte ich mein Umfeld, eine Mahlzeit?
Muss ich die Inhaltsstoffe kennen, um zu wissen, ob ein Nahrungsmittel gut für mich ist und wie ich mich ernähren soll?

Oder kann ich über die Sinne wahrnehmend innerlich erleben, was zu mir spricht?
In intensiver, vertrauensvoller Atmosphäre wurde geübt, wahrzunehmen, wie Weizen und Hafer wirken. Überraschend waren die unterschiedlichen Beschreibungen von aufrichtend, stärkend, strukturierend beim Weizen, hingegen innerlich, wärmend, kräftig, kribbelnd beim Hafer. Ohne das Korn zu verkosten und ohne genaueres darüber zu wissen.
Und was regt das mittelalterliche Gemälde „Das Paradiesgärtlein“ in mir an? In lebendigem Austausch wurde so versucht, auf die Wahrnehmung einer nicht-materiellen Seite zu fokussieren.
Dargestellt wurde auch, dass das Zukunftsbild der Ernährung im Garten liegt: der auferstandene Christus erscheint der Maria Magdalena als Gärtner. Sie erkennt den Christus im Ätherischen. Es gilt also ihre Liebe- und Hingabekräfte zu entwickeln, um das Zukünftige erkennen zu können.

Jugend und Landwirtschaft

Paul Zebhauser und Lukas Vogel

Zeitgleich zu den Berufs- und Fachgruppen gab es zwei Treffen junger Gärtner und Land-wirte, Frauen wie Männer, denen vor der Tagung bereits zwei Arbeitsrunden voran gingen. Dazu eingeladen hatte die Jugendsektion, aus deren Arbeit die Initiatoren der Treffen es als notwendig empfanden, sich mit anderen jungen Menschen auf der Landwirtschaft-lichen Tagung über unsere Fragen auszutauschen. Auf Grund der recht knappen Zeit und der zu erwartenden Themenbreite war eine Hoffnung, dass womöglich ein Austausch über diese Tagung hinaus entstehen könne. Am Ende der vier Treffen ist nun ein Anfang ge-macht worden.

Die Treffen begannen am Dienstag mit einem Abendbrot im Glashaus, anschließender Begrüßungsrunde und Textarbeit an einem Vortrag von Rudolf Steiner über die Entwick-lung von Wissenschaft, Kunst und Religion vom alten Persien bis heute*. Dank sprach-begabter Teilnehmer und der Hilfe von Paul Pieterse ist das deutsch-englische Gespräch ziemlich gut gelungen. Nach dem Frühstück ging es dann am Mittwoch Morgen mit einer Zusammenfassung des am Abend durchgelesenen Textes weiter, woran sich ein freies Gespräch mit Ergänzungen und persönlichen Erlebnissen dazu anschloss.

In den nachfolgenden zwei Runden während der Tagung ging es um die Frage, wo wir als junge Generation in der Landwirtschaft gefragt sind. Dabei traten einige neue Fragen deutlich als Hauptpunkte hervor: Einmal, was die spezielle Aufgabe unserer Generation sei; dann, wie dem Geistesleben, zum Beispiel der Arbeit an landwirtschaftlichen Themen aus anthroposophischer Sicht im Alltag genug Zeit gegeben und wie die spirituelle Quelle gepflegt werden kann. Weitere Themen waren die Düngung, insbesondere in Bezug zur Ernährungsqualität, und die wirtschaftlichen Grundlagen in Verbindung mit der Landwirtschaft wie Grund und Boden oder neue Vermarktungswege wie Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi).

Zuletzt stand auch die Frage da, wie das bisher Aufgebaute weitergeführt werden kann; dass die größte Aufgabe dabei im Zwischenmenschlichen liegt, wurde von den meisten zustimmend bejaht. Damit war schon eine Antwort gefunden, was die Aufgabe unserer Generation ist. Wir waren uns einig, dass das Gelingen von Initiativen vor allem vom sozialen Miteinander abhängt.

Wie die Fülle der Themen kamen auch die Teilnehmer aus ganz verschiedenen Richt-ungen: vom gerade noch vor der Ausbildung Stehenden über Studenten bis zum jungen Betriebsleiter ging die Spanne. Zu guter Letzt konnte trotz den daraus hervorkommenden unterschiedlichen Bedürfnissen eine gemeinsame Weiterarbeit besprochen werden. Im Moment wird ein weiteres Treffen für dieses Frühjahr vorbereitet und ein bescheidener Verteiler mit immerhin bisher 30 Abonennten ist eingerichtet:

Anmeldung über Abonennten oder luvo[at]posteo.de

Wer an biologisch-dynamischer Landwirtschaft interessiert ist oder mit ihr arbeitet und zu den Jüngeren bis 35-jährigen gehört, ist herzlich eingeladen. Unser Wunsch wäre es, wenn in Zukunft daraus ein Netzwerk junger anthroposophischer Gärtner und Landwirte werden könnte, um den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte und der nach-folgenden Generation eine gestärkte biologisch-dynamische Landwirtschaft entgegen zu bringen.

*: Vortrag vom 22. Februar 1923, aus GA 257 „Anthroposophische Gemeinschaftsbildung“

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