Jahresthema 2015/16

Unsere Erde – ein globaler „Garten“?
Die Pflege einer aktiven Beziehung zur Natur

Der Garten als individualisierter Ort

Wie ich als Mensch, braucht jedes Lebendige, um sich gesund zu entwickeln, eine Hülle, um sich von der äusseren Welt zu begrenzen ohne sich abzugrenzen. Dies ist ein Urbild des Gartens. Ein „Garten“ im weiteren Sinn ist ein Erdenort mit dem ich mich spezifisch und persönlich verbinde, wo ich intensiv arbeite, pflege, beobachte, erlebe und geniesse. Ein Ort, wo wir durch eine ständige und treue Aktivität gestalten, wo wir die verschiedenen Elemente und Wesen intensiv in Beziehung setzten: Erde, Wasser, Luft, Wärme, Pflanzen und Tiere. Dadurch wird Evolution, Entwicklung ermöglicht. Mehr...

Landwirtschaftliche Tagung 2015

Wie gehen wir würdig mit den Tieren in die Zukunft?

Landwirtschaftliche Tagung am Goetheanum vom 4. 7. Februar 2015

Bericht von Wolfgang Held

700 Landwirte von biologisch-dynamisch arbeitenden Höfen, Produzenten und Händlern aus 37 Nationen kamen von 4.-7. Februar am Goetheanum zur internationalen Jahreskonferenz der biologisch-dynamischen Bewegung zusammen, um sich unter dem Titel: „Wie gehen wir würdig mit den Tieren in die Zukunft?“ über eine ethische und ökonomisch tragfähige Tierhaltung auszutauschen.

In der industriellen Massentierhaltung wird das Tier zum Objekt und verliert seine Würde. Das bringt die Nutztierhaltung prinzipiell in Verruf. Aber für eine ganzheitliche Landwirtschaft dürfen Schwein, Rind und Huhn auf dem Hof nicht fehlen, ist die tausendjährige Partnerschaft von Tier und Mensch auch künftig ein hohes Gut. Von einem Projekt in Äthiopien wo Kühe auf Rosenanbauflächen der biologischen Kosmetik gehalten werden, über weidende Herden in Zimbabwe, um die Wüstenbildung zurückzudrängen bis zu modernen Freilaufställen für Kühe in der Schweiz reichten die Berichte über artgerechten Umgang mit Nutztieren. Das Verhältnis von Mensch und Tier wurde auf den drei Ebenen der menschlichen Psyche untersucht:

1. Erkenntnis: Eine wesensgemässe Tierhaltung bedeutet das Tier in seiner Einseitigkeit und Vollkommenheit zu verstehen.

2. Empfindung: Tiere rühren das Gefühl und Mitgefühl, aber erst ein geschultes Empfindungs-vermögen vermag ohne Sentimentalität zu erkennen, was Kuh, Schwein oder Huhn braucht.

3. Handlung: Anders als in der menschlichen Begegnung, trifft man selbst beim Säugetier nicht auf eine eigenständige Persönlichkeit. Will man dem Tier verantwortungsvoll, d.h.„menschlich“ begegnen, gelingt eine Partnerschaft mit dem Tier erst, wenn man sich dabei selbst begegnet. Eine Landwirtin: „Der Mensch zähmt die Tiere und die Tiere zähmen uns Menschen.“

Die Ethik des Schlachtens wurde zur zentralen Frage der Jahrestagung. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass Geburt und Tod der Tiere möglichst nah am Hof geschehen sollte und die Tiere nicht einer Maschinerie übergeben werden, sondern ihre Halterin, ihren Halter an ihrer Seite wissen. Devon Strong, Farmer aus Kalifornien/USA regte an, in Anlehnung der traditionellen kultur- und religionspezifischen Rituale, hier zeitgemässe Formen des „Abschieds“ zu finden. Ähnlich wie in der Erziehung, so Ueli Hurter, Coleiter der Sektion für Landwirtschaft, sei hier etwas zentrales verloren gegangen. Es gehört zu den intimen Entdeckungen einer spirituell orientierten Tierhaltung, das ein Schlachten in Respekt vor dem Wesen des Tieres sowohl für die menschliche, als auch tierische Würde Bedeutung haben.

Für die weitere Entwicklung der biologisch-dynamischen Tierhaltung entwickelte die Tagung folgende Arbeitslinien:

Wesensgemässe Tierhaltung verlangt hohen Arbeitseinsatz und bringt keinen wirtschaftlichen Gewinn. Aber Tiere gehören in die Landwirtschaft, ihr Dung macht Kunstdünger überflüssig, nur durch sie wird eine Landschaft „beseelt“. Deshalb wollen die Höfe, mit den Kunden soziale Räume schaffen, um eine nachhaltige Tierhaltung weiter auszubauen. Hier haben interessanterweise auch Gärtnereien und Parkbetreiber hohes Interesse. Die Tiere bringen somit den Menschen nicht nur zu sich selbst, sondern vermögen auch menschliche Gemeinschaft zu initiieren.

Veröffentlichung der Sektion

"Das aufkeimende Leben der Zukunft..."

Jean-Michel Florin, Ueli Hurter und Constanza Kaliks

Wie hat Rudolf Steiner gearbeitet? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Bienenvorträgen Ende 1923 und dem Landwirtschaftlichen Kurs an Pfingsten 1924? Was lebt in den Jugendansprachen von Breslau und Koberwitz? Wie hören wir heute aus der aktuellen Gegenwart diese ganz aus der Situation entstandenen Wort- und Bildprägungen? Wie stehen wir Menschen als auf Freiheit veranlagte Wesen der geschöpften Natur gegenüber? Wie gewinnen wir Erkenntnisse, die unser Tun in der Landwirtschaft orientieren können? Die drei Autoren gehen in ihren Beiträgen, die im Rahmen der Veranstaltungen der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum als Vorträge entstanden sind, diesen Fragen nach.

Erhältlich beim Verlag am Goetheanum
69 Seiten, 11,8 x 17,8 cm
ISBN: 978-3-7235-1529-7

Land(frei)kauf Studie

  • Land frei kauf.pdfStudie "Land[frei]kauf. Bodenmarkt und neue Eigentumsformen im Ökologischen Landbau" zum download.

"Agrikultur für die Zukunft"

Agrikultur für die Zukunft

Biodynamische Landwirtschaft heute.
90 Jahre Landwirtschaftlicher Kurs Koberwitz

Ueli Hurter (Hg.)

Der «Landwirtschaftliche Kurs», 1924 von Rudolf Steiner gehalten, hat einen neuen Impuls für die Landwirtschaft ins Leben gerufen: Eine ganzheitliche Landwirtschaft, die aus modernem Ansatz direkt mit den Lebensprozessen der Natur arbeitet und dadurch der Kultivierung der Erde eine neue Zukunft erschliesst. Aus den ersten Anfängen ist in den 90 Jahren eine weltweite Bewegung entstanden. Diese wird in dem Buch von je aktuell kompetenten Autoren vielfältig dargestellt mit Beiträgen: Die historische Entwicklung – Der landwirtschaftliche Betrieb in seiner Ganzheit – Naturwissenschaftliche Versuchsresultate – Neue Methoden der Forschung – Düngung, Kompostierung, Präparate – Landschaftsgestaltung – Subtropische und tropische Landwirtschaft – Saatgut – Konstellationsforschung – Bienen – Weinbau – Qualität in der Ernährung – Demeter, ein weltweit vernetztes Label – Ausbildungen – Soziale Landwirtschaft – Sozialgestaltung, Bodenrecht, neue Formen der Vermarktung - Herausragende Beispiele aus allen Kontinenten.
Die Dokumentation gibt einen Überblick über die Kerngedanken der biodynamischen Landwirtschaft und die Vielfalt wie diese sich in den 90 Jahren seit Koberwitz in der weltweiten biodynamischen Bewegung ausgestaltet haben.

Verlag am Goetheanum
ISBN 978-3-7235-1508-2

Neuerscheinung der Sektion

Zur Aufgabe der Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum – Eine Betrachtung aus dem Erfahrungshintergrund der Sektion für Landwirtschaft

von Manfred Klett

Am 4. Februar 2013 hat sich Manfred Klett aus dem Vertreterkreis verabschiedet. Wir baten ihn zum Abschied einen Vortrag zu seinem Bild der Aufgabe der Sektionen zu halten. Diese Darstellung ist die Frucht einer jahrzehntelangen Forschung angesichts der Lebensrealitäten und angesichts des uneingelösten Vermächtnisses von Rudolf Steiner. Aus dieser Darstellung ergeben sich Konsequenzen für den Gesamtorganismus der Hochschule und der Sektionen.

Wir haben Manfred Klett gebeten sein Bild der Aufgabe der Sektionen schriftlich zu fassen, sodass es vermehrt mit anderen Bildern und Darstellungen ins Gespräch treten kann. Aus diesem Manuskript ist rechtzeitig zu Pfingsten 2014, 90 Jahre nach dem Koberwitzer Impuls von 1924, ein Büchlein entstanden.

Das Buch kostet 10 CHF / 8 € und ist auf Anfrage bei der Sektion erhältlich.
Format: 14.5 x 21 cm, 40 S.

Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum

Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum ist eine von elf Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, Dornach/Schweiz. Die Sektion für Landwirtschaft trägt aus anthroposophischer Geisteswissenschaft zur Entwicklung der Landwirtschaft bei. Die wichtigsten Aufgaben der Sektion für Landwirtschaft sind die Koordination und das Impulsieren der biodynamischen Bewegung weltweit.
Die biodynamische Landwirtschaft (auch biologisch-dynamische Landwirtschaft genannt) wurde 1924 durch einen Vortragszyklus von Rudolf Steiner, dem “Landwirtschaftlichen Kurs”, geboren. Heutzutage wird biodynamische Landwirtschaft weltweit praktiziert, und über 150.000 Ha Land sind Demeter-zertifiziert. Das Gedankengut, das der biodynamischen Landwirtschaft zugrunde liegt, hat viele der Landwirtschaft nahe liegenden Gebiete inspiriert: Landschaftsgestaltung, Ernährung, Sozialtherapie, Bienenhaltung, Weinbau und viele mehr. Auch haben sich aus der biodynamischen Bewegung, unter anderem, neue Forschungsmethoden, neue Wirtschaftssysteme für die Landwirtschaft und neue Formen des Landbesitzes entwickelt.
Um mehr über die biodynamische Landwirtschaft zu erfahren, können Sie unsere Website erkunden, eines unserer empfohlenen Bücher lesen, einen biodynamischen Verein in Ihrer Nähe kontaktieren oder zu einer Veranstaltung der Sektion für Landwirtschaft kommen. Die Landwirtschaftliche Tagung, die jährlich Anfang Februar stattfindet, ist ein guter Ort um die biodynamische Bewegung kennen zu lernen.