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Pünktlich zur Tagung: Sonniges Wetter




Goetheanum Südseite kurz vor Tagungsbeginn




Infostand der Sektion für Landwirtschaft mit Therese Jung und Jörg Ewert, dem Spanischdolmeter der Tagung




Ausstellung "Zukunft säen" im Foyer des Goetheanum




Wandelhalle, mit Thomas Schmid (li.) und Manfred v. Mackensen (hi.)




Vor dem Südeingang; mit Fritz Baumgartner (mitte) und Viktor Kambli (re.)




Spritztechnik-Vorführung mit Uli-Johannes König

In: Lebendige Erde, Ausgabe 2/2008
Bericht zur Landwirtschaftlichen Tagung am Goetheanum
vom 6. bis 9. Februar
Spiritualität und Landwirtschaft
Wie finde ich eine zeitgemässe Beziehung zur Erde?


Landwirtschaft und Spiritualität - eine Sternstunde

Alles in allem kamen mehr als tausend Teilnehmende aus 29 Nationen vom 6. bis 9. Februar ans Goetheanum in Dornach, um sich der Frage „Spiritualität und Landwirtschaft. Wie finde ich eine zeitgemäße Beziehung zur Erde?“ zu stellen. Mag die Tagung ursprünglich darauf angelegt gewesen sein, das Spektrum der spirituellen Praktiken und Techniken auf den Höfen erscheinen zu lassen, das Gespräch verschiedener Strömungen zu ermöglichen, ja die persönliche Urteilsfähigkeit gegenüber den verschiedenen Ansätzen zu stärken – letztlich gedieh sie zu einer Selbstbesinnung auf die Wurzeln der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in der Anthroposophie Rudolf Steiners.

Und das war alles andere als eine Selbstbeweihräucherung. Es war eine Wendung, die sich im Laufe der Tagung ereignete. In der Gesamtschau ergab sich ein Idealbild, das nicht eine „Lobby“ oder „Weltanschauung“ vertritt, sondern auf ein Allgemein-Menschliches abzielt: Landwirtschaft ist ihrem Wesen nach keine gewinn-orientierte Produktionsmaschinerie für Lebensmittel. Landwirt zu sein, bedeutet, für Mensch und Erde tätig zu sein, diese zu pflegen und zu entwickeln, ja – mit Bezug auf einen Ausspruch des Apostel Paulus – die Natur und Mensch zu erheben, zu erlösen. Landwirtschaft heißt dann, in dieser und für diese Perspektive „gesunde“ Lebensmittel zu produzieren.

Anthroposophie ist eine Wissenschaft, die darauf abzielt, in der konkreten Praxis erneut an die geistigen Hierarchien anzuschließen, ja sich dem allem zugrunde liegenden trinitarischen Prinzip bis in den alltäglichen Umgang mit Mineral, Pflanze, Tier, Mensch und Landschaft bewusst zu werden. Hierbei ist die naturwissenschaftliche Methode der Phänomenologie grundlegend – gerade auch für die Auffassung des landwirtschaftlichen Betriebs als Organismus, ja als Individualität. Der Ort der Tat ist ein unvergleichlicher: Seit der Kreuzigung und Wiederauferstehung ist die Erde der Leib des Christus. Arbeiten an der Erde, bedeutet Arbeiten für diesen Leib. Diesen Leib zu bewahren, das kann der Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate als Aufgabe zugedacht werden. Hierzu gehört auch das Fladenpräparat, mit dem weiterer Schaden durch die Kräfte der Radioaktivität minimiert werden kann.

Wie kann ein Landwirt solchen Herausforderungen gewachsen sein? Die Souveränität des Landwirtes ist ein Hauptanliegen des „Koberwitzer Impulses“(in Koberwitz bei Breslau hielt Rudolf Steiner 1924 den sogenannten „Landwirtschaftlichen Kurs“: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327), der die Grundlagen für die biologisch-dynamische Landwirtschaft schuf. Sie mag zwar im Unabhängigkeitsbedürfnis des Bauern urständen. Letztlich aber zielt sie auf den freien Umgang mit den helfenden Kräften der geistigen Welt. Freiheit wird auf diesem Weg Übernahme von Verantwortung. Und damit geht die weitere Erden-Entwicklung mitten durch den aus Freiheit handelnden Menschen hindurch.

Es bedarf aber auch eines kräftigen Schusses „Selbsterkenntnis“. Ohne sie ist heute keine Zeitgenossenschaft mehr möglich. Wer als Mensch heute in der Welt steht und etwas bewegen will, muss sich seelisch-geistig entwickeln: Wir leben heute im Zeitalter der Bewusstseinsseele, die sich ihrer selbst als geistiges und nicht als bloß physisches) Wesen bewusst werden muss. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit Zeitgenossen, die ihre eigenen forschenden Wege zur Spiritualität gehen. Forschen und das Ernstnehmen von Grenzfragen oder Grenzerfahrungen im Alltag ist einer der ersten, freien und modernen Schritte zu einer Spiritualisierung der landwirtschaftlichen Praxis.

Doch atmen wir einmal kurz durch: Der Landwirt also ein neues Idol? Eine ins übermenschliche wachsende Aufgabe? Noch mehr Pflichten, noch mehr Lasten zu den sowieso schon nicht mehr zu bewältigenden Herausforderungen des modernen Landwirte-Daseins? – Nein! Weit gefehlt! Es geht um den Hintergrund, aus dem heraus Landwirtschaft eine neue, den Menschen in uns ergreifende Sinnstiftung finden, und aus dem heraus biologisch-dynamische Landwirtschaft überhaupt erst ihre gesundende Wirksamkeit für Erde, Natur und Mensch entfalten kann. Mit diesem durch die hochkarätigen Vorträge (von Gwendolin Fischer, Susanna Küffer-Heer, Maria Thun, Walter Goldstein, Ueli Hurter, Nikolai Fuchs, Jens Heisterkamp, Manfred Klett, Florian Roder, Sergej Prokofieff) gegebenen Kontext konnten in den mehr als 50 Arbeits-, Üb- und Meditationsgruppen sowie Foren auch Themen wie Lichtnahrung, Lichtwurzel, Systemische Familienaufstellung, Rationale Bildekräfteforschung (und viele weitere) auf meist hohem Niveau, konstruktiv und in gegenseitig anerkennender Stimmung besprochen werden. Die Tagung war eine „Sternstunde“ – morgens mit Jupiter und Venus, tagsüber mit der goldenen Sonne, abends mit der bezaubernden Mondsichel und nachts unter klarem Sternenhimmel.

Hans-Christian Zehnter

Ein Dokumentationsband zur Tagung ist in Vorbereitung und wird im Sommer in der Sektion für Landwirtschaft erscheinen. Bitte richten Sie die Bestellung an die unten stehende Kontaktanschrift.

 



Kontakt

Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum
Hügelweg 59
CH-4143 Dornach
eMail: Sektion für Landwirtschaft