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Projekt I
Projekt II
Projekt III




Projekt I
Landwirtschaft und Wissenschaft
(Auszüge aus dem Zwischenbericht Frühjahr 2007)
Die Arbeit wurde im vergangenen Projektjahr auf den drei auch im Vorjahresbericht dargestellten Ebenen weitergeführt.
Sie ist ein gutes Stück vorangekommen, kann aber noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Dennoch ist ein gutes Fundament entstanden. Auf dieses soll im Folgenden Projektjahr ein konkretes Forschungsprojekt zum Verständnis der landwirtschaftlichen Betriebsindividualität aufgebaut werden, um die gedanklich erarbeiteten Ansätze nun zu konkretisieren.

Wir entwickelten einen Ansatz, der für unterschiedliche Ebenen jeweils verschiedene Definitionen von „Ganzheitlichkeit“ zulässt und damit ermöglicht, die Diskussion um Ganzheitlichkeit in der Ökolandbauforschung (welche, wie wir immer stärker feststellen mussten, hartnäckig angestossen werden muss) in die Wissenschaftlergemeinschaft hineinzutragen.

Die drei Hauptebenen unseres Ansatzes sind:
Selbstreflektive Ganzheitlichkeit
die Reflektion der sozialen, historischen, kulturellen und ökonomischen Vorbedingungen von wissenschaftlicher Arbeit. In den Agrarwissenschaften ist es sehr unüblich, die kontextuellen Voraussetzungen des eigenen Arbeitens zu reflektieren und in die Auslegung und Darstellung der Ergebnisse mit einzubeziehen. Dies gilt auch für die Ökolandbauforschung (ebenso für die biologisch-dynamische Forschung).
Unsere Literaturstudie führte jedoch zu einer (für uns evidenten) Einschätzung, dass eben diese Reflektion und der Einbezug dieses Kontextes in die Urteilsbildung von zentraler Bedeutung wäre, wenn Wissenschaft in gesellschaftlichen Prozessen nicht zur definitorischen Macht, sondern zur freien Urteilsbildung befähigen soll.

Gedanklich-synthetische Ganzheitlichkeit
Wenn disziplinär gearbeitet wird (und dass dies notwendig ist, um auf Einzelfragen zu fokussieren, stellen wir nicht in Frage), dann ist ein partieller Reduktionismus, der bestimmte Faktoren fixiert, um andere variieren und untersuchen zu können, oft unvermeidlich. Zum Problem wird dies vor allem deshalb, weil in der Darstellung und Interpretation der Ergebnisse dann sehr oft der hochartifiziellen Situation, unter der die Ergebnisse zustande kamen, keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt wird.
Dieses Problem würde aber wesentlich weniger scharf auftreten, wenn es zur Aufgabe (und Fähigkeitsanforderung) der forschenden Person gehörte, i) die gewonnenen Ergebnisse immer wieder in ihre Kontexte hinein zu stellen und ii) sie qualitativ zu charakterisieren.
Damit ist eine Fähigkeit angesprochen, die Ergebnisse ins qualitative Bild zu bringen und damit sowohl für sich selbst, als vor allem auch in der Darstellung für andere neue Verständniszugänge zu erschliessen.
Dies erfordert, dass die forschende Person selber zu einem integrativ-ganzheitlichen Arbeiten in der Lage ist, um Lebendiges tatsächlich als Ganzes und nicht als zusammengesetzte Summe einzelner disziplinärer Ergebnisse zu erfassen. Dieser Syntheseprozess ist anspruchsvoll, und es bedarf hier sicher einer langjährigen und vorsichtigen konkreten Annäherung an eine solch Forschungspraxis.

Dies muss (und darf) aber nicht als Widerspruch zu disziplinärem fachlich exzellentem Arbeiten verstanden werden. Es geht vielmehr darum, nicht nur Ergebnisse zu produzieren, sondern diese in einem echten Syntheseprozess in ihre eigentlichen Zusammenhänge wieder herein zu stellen. Dieser Syntheseprozess ist gedanklicher Natur. Er beruht aber auch auf Dialog, welcher dann fruchtbar sein kann, wenn die Dialogpartner gegenseitig in der Lage sind, eine echte Synthese und damit gedankliche Erweiterung ihrer jeweiligen Fachdisziplin zu vollziehen.

Forschung im landwirtschaftlichen Organismus
Oben wurde eine Ganzheitlichkeit geschildert, die in dynamischer gedanklicher Arbeit aus Einzelergebnissen wieder geschaffen wird. Es muss daneben natürlich auch Ansätze geben, die Ganzheiten als Ganzheiten erforschen lassen, insbesondere wenn wir vom biologisch-dynamischen Ansatz des Organismus und Individulaitätsprinzips ausgehen.

Die übergeordnete „Ganzheit“ in der Landwirtschaft ist der landwirtschaftliche Betrieb, und in diesem ist der Landwirt der Haupt-Erfahrungsträger. Der Wissenschaftler aber kann, indem er aus anderer Perspektive schaut, mit dem Landwirt in einen produktiven Dialog treten, der beide in ihrem Blick auf den Hoforganismus weiterbringen könnte.

Diese Ebene ist aber am wenigsten rein gedanklich zu charakterisieren, so dass sie nun in einem konkreten Teilprojekt aufgegriffen werden soll.

Die hier skizzierten Ansätze wurden mit Artikeln und vor allem auch Vorträgen dargestellt (siehe Veröffentlichungsliste)

 

Spenden zur Unterstützung der Projektaktivitäten sind herzlich Willkommen!

 

Kontakt

Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum
Hügelweg 59
CH-4143 Dornach
eMail: Sektion für Landwirtschaft