Landwirtschaftliche Abteilung wird Sektion für Landwirtschaft
Kurzversion Auf seiner Sitzung am 29. September (Michaeli) hat das Hochschulkollegium der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum den Entschluss gefasst, die bisherige Landwirtschaftliche Abteilung der Naturwissenschaftlichen Sektion in eine selbstständige „Sektion für Landwirtschaft“ umzuwandeln. Damit wird einerseits einer seit längeren Jahren gelebten Praxis nun auch die entsprechende Form gegeben – der Verantwortungsbereich und die Vertretung im Hochschulkollegium wurden bereits wie in den neun anderen Sektionen gelebt. Andererseits wird dem selbstständigen Impuls und der gleichberechtigten Beziehung der Landwirtschaft nicht nur zur Naturwissenschaft, sondern auch zu den anderen Berufsfeldern wie z.B. Medizin und Pädagogik Ausdruck verliehen. In Zukunft gilt es, auch die esoterische Sektionsidentität der Landwirtschaft neu zu entwickeln. Nikolai Fuchs für die Sektion für Landwirtschaft und Johannes Kühl für die Naturwissenschaftliche Sektion bekräftigten gleichzeitig ihren Willen für eine weiterhin enge Zusammenarbeit, die auch im Schicksal dieser beiden Sektionen in bezug auf Themen und Methoden liegt.
Michaeli Nikolai Fuchs, Johannes Kühl
Langversion Am vergangenen Michaeli-Tag haben wir im Hochschulkollegium den Entschluss gefasst, die bisherige „Abteilung Landwirtschaft“ der Naturwissenschaftlichen Sektion in eine eigene Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft umzuwandeln. Damit haben wir einen Schritt vollzogen, den wir in gewissem Sinne schon lange gelebt haben: Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten trotz aller Schwierigkeiten, welche unsere Zeit für die Landwirtschaft selbst, aber auch für das verarbeitende Gewerbe und den Handel bringt, zu einer eigenen, bedeutenden Berufsbewegung mit weltweit ca. 5000 Höfen geworden. Viele Belange dieser Bewegung werden in regelmässigen Treffen am Goetheanum oder an anderen Orten im Zusammenhang mit dem Goetheanum behandelt. Seit Jahren arbeitet ein Vertreterkreis, in welchem die verschiedenen Regionen und Berufsfelder repräsentiert sind, bespricht die geistigen, wirtschaftlichen und rechtlichen Belange (z.B. Forschung und Ausbildung, praktische Fragen und Fragen der Markenrechte) und bereitet die jährliche landwirtschaftliche Tagung vor. Sie gehört zu den am besten besuchten Tagungen am Goetheanum. Der Leiter der Abteilung Landwirtschaft wird von einem kleineren „Sektionskreis“ unterstützt und hat seit Jahren völlig gleichberechtigt mit den anderen Sektionsleitern im Hochschulkollegium mitgearbeitet. Die Beziehung zur Naturwissenschaftlichen Sektion war in der Vergangenheit immer wieder fruchtbar. Insbesondere Anfang der 70er Jahre wurde die z.T. durch die Konflikte in der Anthroposophischen Gesellschaft stark beeinträchtigte Zusammenarbeit in der Landwirtschaft entscheidend durch die Hilfe von Jochen Bockemühl als damaligem Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion impulsiert. Seit dem wurde besonders auf dem Gebiet der Ausbildung und Forschung zusammengearbeitet. Dies ist in den letzten Jahren durch die Entwicklung der Gentechnologie besonders aktuell geworden, und das wollen wir auch beibehalten und weiter aus-bauen. Aber die Beziehungen der Landwirtschaft bestehen genauso zu anderen Lebens- und Arbeitsfeldern der anthroposophischen Bewegung, insbesondere zu Medizin, Pädagogik und Sozialwissenschaft: Die Hochschule wird in besonderer Weise lebendig, wo Sektionen zusammenarbeiten. So kann man auch fragen, warum wir erst jetzt diesen Schritt vollziehen und warum nicht bereits Rudolf Steiner eine landwirtschaftliche Sektion eingerichtet hat. Während des landwirtschaftlichen Kurses zu Pfingsten 1924 fragte er Ita Wegmann, ob sie die neue landwirtschaftliche Bewegung von der medizinischen Sektion aus mit betreuen würde. Sie hat aber diese Aufgabe abgelehnt wegen ihrer grossen Arbeitsbelastung mit der Sektion und der Klinik. Darauf erst kam Rudolf Steiner mit der gleichen Frage auf Günther Wachsmuth zu, der dann diese Aufgabe für die Naturwissenschaftliche Sektion übernahm. – Das Schicksal der Landwirtschaft in den letzten hundert Jahren ist massgeblich von dem Einfluss der Naturwissenschaft geprägt, indem durch ihren Einfluss das alte, von seiner Verbundenheit mit dem Christentum und der Natur-geistigkeit geprägte europäische Bauerntum zu einem Ende gekommen ist. Dies wurde so im Zusammenhang der Menschen um Rudolf Steiner manifest, indem der an Goethe und die Anthroposophie anknüpfenden Naturwissenschaft die Aufgabe zukam, bei der Begründung eines neuen, zeitgemässen Bauerntums zu helfen: Die Heilung kommt aus der gleichen Quelle wie die Krankheit. Umgekehrt kommen aus der erneuerten Landwirtschaft wesentliche Impulse für die Naturwissenschaft, und man könnte durchaus berechtigt den Landwirtschaftlichen Kurs als 4. Naturwissenschaftlichen Kurs Rudolf Steiners bezeichen. Dieses Schicksal wollten wir ernst nehmen. Wir meinen aber, dass das auch in Zukunft zwischen den zwei Sektionen möglich ist. Liest man die Ansprache, die Rudolf Steiner anlässlich der Begründung des „Versuchsrings“ am 11. Juni 1924 während des Landwirtschaftlichen Kurses gehalten hat, so wird deutlich, wie wichtig ihm das enge Verhältnis zu Dornach war. Er spricht von einer sogar Zwillingsbruderschaft zwischen „Dornach und dem Ring“, in der man ein gemeinsames Denken und ein gemeinsames Fühlen habe. Dieses Verhältnis will die Sektion für Landwirtschaft weiter pflegen und ausbauen, es muss nicht auf die Beziehung zur Naturwissenschaftlichen Sektion beschränkt sein. Eine tiefere Aufgabe kann man anschliessen: Insbesondere für die medizinische Sektion hat Rudolf Steiner konkrete Anregungen für eine esoterische Vertiefung gegeben. Für andere Sektionen gab es ähnliches bereits vor der Weihnachtstagung, etwa im Zusammenhang mit der Begründung der Waldorfschule für die pädagogische Sektion. Für die Naturwissenschaft kann man im ganzen Werk Rudolf Steiners die Keime zu einer solchen Vertiefung entdecken, und auch für die Landwirtschaft gibt es dazu zarte Keime. Diese esoterische Seite der Sektionsarbeit gilt es, für die Landwirtschaft – aber selbstverständlich auch für die anderen Sektionen, zu entwickeln und zu vertiefen.
Michaeli Für das Hochschulkollegium: Johannes Kühl und Nikolai Fuchs |
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